Madeleine McCann und die Epstein-Akten: Was steckt hinter der Theorie?

Seit das US-Justizministerium die riesigen Epstein-Akten veröffentlicht hat, kocht im Internet eine Theorie wieder hoch: Gibt es eine Verbindung zwischen dem Verschwinden von Madeleine McCann und dem Netzwerk rund um Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell?

Kurzer Rückblick: Was ist passiert?

Madeleine McCann war drei Jahre alt, als sie am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve verschwand. Ihre Eltern Kate und Gerry McCann aßen mit Freunden in einem Restaurant in der Nähe, die Kinder schliefen in der Wohnung.

Gegen 22 Uhr stellte Mutter Kate fest, dass Madeleine weg war. Der Fall wurde laut Wikipedia zum „meistberichteten Vermisstenfall der modernen Geschichte“ – und ist bis heute nicht gelöst.

Die deutschen Behörden haben den vorbestraften Sexualstraftäter Christian Brückner als Hauptverdächtigen im Visier, angeklagt wurde bisher aber niemand.

Verbindungen zu Epstein?

Die freigegebenen Epstein-Akten umfassen Millionen von Seiten – Zeugenaussagen, E-Mails, Gerichtsdokumente, einfach alles. Und in diesem riesigen Stapel taucht Madeleines Name tatsächlich auf.

Wie Factually zusammenfasst, gibt es genau drei Fundstellen: Ein Dokument ohne substanziellen Inhalt, eine Erwähnung im Zusammenhang mit einer Dokumentarproduktion von Blue Ant Media – und dann die Stelle, die alle aufgeregt hat.

In einer Zeugenaussage von 2009 behauptet eine nicht namentlich genannte Person, sie habe eine Frau gesehen, die wie Ghislaine Maxwell aussah.

Diese Frau sei mit einem kleinen Mädchen unterwegs gewesen, das den Zeugen an Madeleine erinnerte. Was ihn besonders stutzig gemacht haben soll: Das Mädchen hielt sich das rechte Auge zu – und Madeleine hatte ein sogenanntes Kolobom, eine auffällige Fehlbildung der Iris am rechten Auge.

Laut Euro Weekly News und dem Sunday Guardian hat der Zeuge die Beobachtung allerdings damals nicht gemeldet – sondern erst Jahre später, nachdem er im Internet auf den McCann-Fall gestoßen war, seine Erinnerung aufgeschrieben.

Das Phantombild, das an Maxwell erinnert

2009 veröffentlichten Privatermittler der Familie McCann ein Phantombild einer Frau, die drei Tage nach Madeleines Verschwinden in einer Bar in Barcelona aufgefallen war. Ein britischer Zeuge hatte die Frau dort getroffen und ihr Verhalten verdächtig gefunden.

Beschrieben wurde sie als braunhaarig, zwischen 30 und 35, etwa 1,57 m groß – eine „Victoria Beckham-Lookalike“, wie damals berichtet wurde.

Als Ghislaine Maxwell 2020 verhaftet wurde, machten vor allem Reddit-Nutzer auf die Ähnlichkeit zwischen dem alten Phantombild und Maxwell aufmerksam. Seitdem tauchen die Vergleiche regelmäßig auf Social Media auf.

Aber es gibt ein paar Haken. Die damaligen Zeugen beschrieben die Frau als jünger und möglicherweise australisch. Maxwell war 2007 bereits 45, sprach mit britischem Akzent und war Berichten zufolge zu dem Zeitpunkt in New York. Wichtig ist auch: Die Frau im Phantombild wurde nie als Verdächtige eingestuft – die Ermittler wollten lediglich mit ihr sprechen.

Der Clement-Freud-Faktor

Ein Detail, das die Sache für Verschwörungstheoretiker noch interessanter macht: Sir Clement Freud, Enkel von Sigmund Freud, britischer Politiker und TV-Persönlichkeit, besaß eine Villa in Praia da Luz – nur wenige Hundert Meter von der Ferienanlage der McCanns entfernt.

Zwei Monate nach Madeleines Verschwinden lud Freud die McCanns zu sich nach Hause ein. Kate McCann schwärmte danach in den Medien von dem Abend. Was damals keiner ahnte: 2016, Jahre nach Freuds Tod, enthüllte eine TV-Dokumentation, dass er Kinder sexuell missbraucht hatte.

Mehrere Frauen erhoben schwere Vorwürfe. Die Operation Grange prüfte daraufhin, ob Freud etwas über den Fall gewusst haben könnte. Laut seiner Familie war er zum Zeitpunkt von Madeleines Verschwinden allerdings nicht in Portugal.

Im Internet geht die Theorie noch weiter: Manche behaupten, auch die Podesta-Brüder aus der US-Politik hätten sich gleichzeitig in Freuds Villa aufgehalten. Diese Behauptung stammt aber von anonymen „FBI-Insidern“ auf fragwürdigen Websites und wurde nie von irgendeiner Behörde bestätigt.

Was sagen die Behörden?

Sowohl die britischen als auch die US-amerikanischen Ermittler betonen laut Factually: Es gibt keine bestätigte Verbindung zwischen McCann und dem Epstein-Maxwell-Netzwerk.

Die Erwähnung in den Akten basiert auf einer einzigen, nicht verifizierten Aussage, die Jahre nach der angeblichen Beobachtung verfasst wurde. Neue Ermittlungen wurden deswegen nicht aufgenommen. Die Euro Weekly News zitieren die Behörden mit der Aussage, dass ein Name in einem Dokument eben kein Beweis für irgendeine Verwicklung ist.

Die offiziellen Ermittlungen zum Fall McCann laufen weiter – aber eben auf ganz anderen Spuren, vor allem rund um Christian Brückner.

Unterm Strich

Stand Februar 2026 gibt es keine belegten Beweise für eine Verbindung zwischen dem Fall McCann und dem Epstein-Netzwerk. Die Erwähnung in den Akten ist eine einzelne, unbestätigte Zeugenaussage. Die Phantombild-Vergleiche widersprechen den damaligen Beschreibungen.

Und die Clement-Freud-Sache ist zwar verstörend, aber noch kein Beleg für eine Verbindung zu Epstein.

Der Fall Madeleine McCann bleibt tragisch und ungelöst.

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