Man kann über Ashton Kutcher als Schauspieler denken, was man will – aber abseits der Leinwand hat er sich jahrelang einem Kampf gewidmet, der ihm weltweit Anerkennung einbrachte: dem Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern.
Gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Demi Moore gründete er 2012 die Organisation „Thorn: Digital Defenders of Children“ – mit dem Ziel, Opfer von sexuellem Kinderhandel mithilfe von Technologie zu identifizieren und zu retten. Die Idee entstand, nachdem Moore eine Dokumentation über Kinderhandel in Kambodscha gesehen hatte und feststellte, dass das Problem auch in den USA existiert.
Was Thorn erreicht hat
Was als Traum begann, den Stimmlosen eine Stimme zu geben, entwickelte sich über die Jahre zu einer ernstzunehmenden Kraft. Thorn entwickelt Technologien, die Strafverfolgungsbehörden dabei unterstützen, Kinder vor Sexualstraftätern zu schützen. Mittlerweile arbeiten Vollzeit-Teams aus über 21 US-Bundesstaaten mit Technologiepartnern wie Google, Microsoft, Facebook und Palantir zusammen.
Ein Bericht aus dem Jahr 2017 besagte, dass Thorn – in enger Zusammenarbeit mit den Behörden – dazu beigetragen hatte, rund 5.984 Opfer von sexuellem Kinderhandel zu identifizieren und 103 Kinder aus „Situationen zu befreien, in denen ihr sexueller Missbrauch aufgezeichnet und verbreitet wurde.“
„Was wir im Kern tun, ist Technologie zu entwickeln, die dabei hilft, die sexuelle Ausbeutung von Kindern zu bekämpfen“, erklärte Kutcher in einem Interview mit 48 Hours. „Man kann die Ärmel hochkrempeln und versuchen, ein Held zu sein und eine einzelne Person zu retten – oder man baut ein Werkzeug, das es einer einzelnen Person ermöglicht, viele Menschen zu retten.“
Seine bewegende Rede vor dem US-Kongress
2017 hielt Kutcher eine emotionale Rede vor dem US-Kongress, in der er die Abgeordneten dazu aufforderte, aktiver beim Schutz gefährdeter Frauen und Kinder zu werden.
„Ich bin heute hier, um das Recht auf das Streben nach Glück zu verteidigen“, sagte er. „Aber das Recht auf das Streben nach Glück wird so vielen entrissen – es wird vergewaltigt, missbraucht, mit Gewalt, Betrug oder Nötigung genommen. Es wird für das momentane Glück eines anderen verkauft.“
Auf Kritiker, die ihm rieten, sich „lieber auf seinen eigentlichen Job zu konzentrieren“, hatte er eine niederschmetternde Antwort:
„Ich habe Videomaterial eines Kindes gesehen, das im selben Alter ist wie meines, das von einem amerikanischen Mann vergewaltigt wurde, der als Sextourist in Kambodscha unterwegs war. Und dieses Kind war so sehr von seiner Umgebung konditioniert, dass es glaubte, es würde spielen.“
Er fuhr fort: „Wir waren die letzte Verteidigungslinie – ein Schauspieler und seine Stiftung waren möglicherweise die letzte Verteidigungslinie. Das ist mein Job, und dabei bleibe ich.“
Der Fall Danny Masterson – und Kutchers Rücktritt
Doch 2023 geriet Kutchers Glaubwürdigkeit massiv ins Wanken. Er und seine Frau Mila Kunis hatten Unterstützungsbriefe für ihren ehemaligen „Die wilden 70er“-Kollegen Danny Masterson verfasst – der gerade wegen zweifacher Vergewaltigung verurteilt worden war. Kutcher bezeichnete Masterson darin als „Vorbild“ und bat den Richter um Milde.
Die Empörung war enorm: Ein Mann, der sich seit Jahren gegen sexuellen Missbrauch engagiert, setzt sich für einen verurteilten Vergewaltiger ein? Für viele war das ein unverzeihlicher Widerspruch.
Im September 2023 trat Kutcher als Vorstandsvorsitzender von Thorn zurück. In seinem Rücktrittsschreiben erklärte er: „Opfer sexueller Gewalt wurden historisch zum Schweigen gebracht, und mein Unterstützungsbrief ist ein weiteres schmerzhaftes Beispiel dafür, die Aussagen von Opfern infrage zu stellen. Ich kann nicht zulassen, dass mein Fehler von unserer Arbeit und den Kindern, denen wir dienen, ablenkt.“
Auch Mila Kunis legte ihr Mandat als Beobachterin im Vorstand nieder.
Zweifel an den Zahlen
Auch die beeindruckenden Zahlen, mit denen Kutcher und Thorn über Jahre hinweg Schlagzeilen machten, wurden von Journalisten hinterfragt. Kutcher behauptete 2017, Thorn habe in nur sechs Monaten 6.000 Opfer identifiziert – darunter 2.000 Kinder.
Doch laut einem Bericht des Onlinemagazins Reason identifizierte das FBI im Zeitraum 2009 bis 2015 durchschnittlich nur 175 minderjährige Opfer pro Jahr. Das US-Gesundheitsministerium verzeichnete 2018 nur 105 und 2020 insgesamt 307 betreute minderjährige Opfer. Kritiker bemängelten, dass Thorns Zahlen nicht mit der offiziellen Datenlage übereinstimmen – und dass die Medien die Behauptungen weitgehend unkritisch übernommen hätten.
Kritik von Sexarbeiter-Organisationen
Thorns Überwachungstool „Spotlight“ geriet zudem in die Kritik von Sexarbeiter-Organisationen. Laut einem Bericht von Forbes füllt die Software „riesige, durchsuchbare Datenbanken mit Namen, Nummern, Bildern und Zahlungsdaten – nicht nur von Opfern des Menschenhandels, sondern auch von einvernehmlich arbeitenden Sexarbeitern.“
Die Organisation Red Canary Song, eine Koalition asiatischer und migrantischer Sexarbeiterinnen, kritisierte, dass Thorns enge Zusammenarbeit mit der Polizei gerade die Menschen gefährde, die eigentlich geschützt werden sollten – darunter auch Opfer von Menschenhandel, die tiefes Misstrauen gegenüber der Polizei haben.
Ein komplexes Vermächtnis
Thorns Arbeit geht trotz Kutchers Rücktritt weiter. Die Organisation hat nach wie vor namhafte Technologiepartner und leistet wichtige Arbeit im Bereich der digitalen Kindersicherheit.
Kutchers Geschichte zeigt jedoch, wie komplex das Thema Anti-Trafficking-Aktivismus ist. Seine Rede vor dem Kongress hat Millionen Menschen berührt und das Thema Kinderhandel ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Gleichzeitig haben der Masterson-Skandal und die Zweifel an den Zahlen gezeigt, dass auch gut gemeintes Engagement kritisch hinterfragt werden muss.
Wer die Arbeit von Thorn unterstützen möchte, findet auf der Website www.thorn.org die Möglichkeit zu spenden.
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