Beim Lotto soll eigentlich das Glück entscheiden. Doch Stefan Mandel, ein in Rumänien geborener Mathematiker, fand einen Weg, die Zahlen zu seinen Gunsten arbeiten zu lassen – eine Strategie, die erfolgreich genug war, dass er und seine Tippgemeinschaft 14-mal bei Lotterien gewannen.
Mandel besaß keine magische Formel. Stattdessen setzte er auf Mathematik.
Zum Vergleich: Die Chance auf den Mega-Millions-Jackpot liegt bei etwa 1 zu 302,5 Millionen, berichtet UNILAD. Für durchschnittliche Spieler machen solche Zahlen einen Jackpot-Gewinn praktisch unmöglich.
Mandel erkannte jedoch, dass es einen anderen Zugang zu dem Spiel gab.
Wer ist Stefan Mandel?
Seine Strategie beruhte darauf, so viele Scheine zu kaufen, dass sämtliche möglichen Zahlenkombinationen abgedeckt waren. In der Theorie war die Idee einfach – in die Praxis umzusetzen erforderte allerdings enorme Summen und eine große Gruppe von Menschen, die mitmachen wollten.
Mandel begann damit, Investorengruppen davon zu überzeugen, ihr Geld in einer Tippgemeinschaft zusammenzulegen. Mit ausreichend Kapital im Rücken konnten sie riesige Mengen an Scheinen kaufen und ihre Gewinnchancen drastisch erhöhen.
Sein erster erfolgreicher Versuch brachte der Gruppe 19.000 Dollar ein. Für Mandel persönlich blieben knapp 4.000 Dollar übrig.
Diese Summe mag heute nicht besonders beeindruckend klingen, doch sie verschaffte Mandel das Geld, das er brauchte, um seine Strategie weiterzuentwickeln.
Später zog er mit seiner Familie nach Australien. Dort gründete er den International Lotto Fund (ILF), der in mehreren Ländern Lotteriegewinne erzielte, darunter in Australien, Rumänien und den Vereinigten Staaten.
14 Lotteriegewinne
Den Jackpot knackte die Gruppe nicht jedes Mal, doch ihr Vorgehen brachte über die Jahre erhebliche Summen ein.
Mandels Erfolg zog reichlich Aufmerksamkeit auf sich. Behörden und internationale Institutionen, darunter CIA und FBI, schöpften Verdacht und nahmen die Operation unter die Lupe.
Am Ende wurden Mandel und der ILF jedoch entlastet.
Die juristischen Auseinandersetzungen forderten allerdings ihren finanziellen Tribut. Nach Jahren des Rechtsstreits wurde er von den Vorwürfen freigesprochen, doch seine finanzielle Lage hatte sich verschlechtert.
Insolvenz und ein Verfahren in Israel
1995, nur drei Jahre nach einem Jackpot-Gewinn von 27 Millionen Dollar, meldete Mandel Insolvenz an.
In den Jahren darauf verlegte er sich auf andere Geschäftsmodelle – eines davon brachte ihn vor Gericht. 1996 gründete er in Israel gemeinsam mit einem Partner eine Genossenschaft, die Anlegern den Erwerb von Land im Pazifikstaat Vanuatu in Aussicht stellte. Die israelische Wertpapieraufsicht ermittelte, weil die beiden den gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsprospekt nicht veröffentlicht und Investoren damit getäuscht haben sollen.
Mandel verließ das Land 2002 und blieb dem Verfahren fern. 2004 verurteilte ihn ein Gericht in Tel Aviv in Abwesenheit zu zehn Monaten Haft und einer Geldstrafe von 100.000 Schekel. Angetreten hat er die Strafe nie.
Der Fall ist bis heute umstritten. Der damalige Vizepräsident des Obersten Gerichtshofs erklärte später, das Urteil hätte in Abwesenheit gar nicht ergehen dürfen. Mandel selbst bestreitet die Vorwürfe und macht Verfahrensfehler geltend. 2023 kehrte er nach 21 Jahren nach Israel zurück und beantragte ein Wiederaufnahmeverfahren – der Oberste Gerichtshof lehnte den Antrag im Dezember desselben Jahres ab.
Neue Beschränkungen
Kern seiner Lotteriestrategie war ein Algorithmus, den Mandel „kombinatorische Kondensation“ nannte. Das Konzept beruhte darauf, genügend Scheine zu kaufen, um jede mögliche Kombination einer bestimmten Lotterie abzudecken.
Dieser Ansatz führte schließlich zu Regeländerungen bei US-Lotterien.
Neue Beschränkungen sollten verhindern, dass Spieler Scheine in großen Mengen erwerben oder computergenerierte Tippscheine verwenden – womit es praktisch unmöglich wurde, Mandels Strategie in vergleichbarem Umfang zu wiederholen.
Mandel gelang es also, eines der größten Glücksspiele der Welt in etwas zu verwandeln, das einer mathematischen Übung ähnelte. Am Ende standen jedoch eine Insolvenz, ein jahrzehntelanger Rechtsstreit und eine Verurteilung, die er bis heute anficht. Und heutige Lottospieler können seiner Formel ohnehin nicht mehr folgen.
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