Ein Junge lebt im Wasser, um Schmerzen zu lindern. Fachleute warnen davor

Ein 16-Jähriger in Indien verbringt seit fünf Jahren einen Großteil seines Lebens in einem Teich, um ein Brennen auf seiner Haut zu lindern. Eine Diagnose gibt es bis heute nicht. Ausgerechnet die Erkrankung, die im Netz am häufigsten vermutet wird, würde durch Kühlung eher schlimmer.

Der Jugendliche stammt aus dem Bezirk Murshidabad im indischen Bundesstaat Westbengalen. Seit etwa fünf Jahren verbringt er einen Großteil seiner wachen Stunden im Wasser; im Teich lässt der Schmerz nach eigener Schilderung etwas nach, berichtet LADbible.

Seine Familie hat sich an Ärzte ebenso gewandt wie an traditionelle Heiler. Bislang konnte niemand die Erkrankung benennen oder eine belastbare Diagnose stellen.

Aufmerksamkeit im Netz – und eine Reise nach Mumbai

Zuletzt kursierten Videos des Jugendlichen im Internet. Die Aufmerksamkeit, die sie erhielten, könnte ihn einer Antwort nähergebracht haben.

Anant Ambani, einer der reichsten Männer des Landes, sah die Aufnahmen und beschloss einzugreifen, berichtet Gulf News. Berichten zufolge organisierte er die Reise nach Mumbai, wo der 16-Jährige nun fachärztlich untersucht werden soll.

Was Fachleute vermuten – und warum das wichtig ist

Die öffentliche Aufmerksamkeit hat dazu geführt, dass Ärztinnen und Ärzte in sozialen Netzwerken über mögliche Ursachen spekulieren. Es handelt sich dabei ausdrücklich um Ferndiagnosen ohne Untersuchung des Patienten.

Mehrfach genannt wurde die Erythromelalgie, eine seltene Erkrankung, die anfallsartig brennende Schmerzen, Überwärmung und Rötungen der Haut verursacht. Laut dem britischen Gesundheitsdienst NHS sind meist die Füße betroffen, grundsätzlich kann sie aber auch andere Körperregionen betreffen.

Genau an dieser Stelle liegt das Problem: Die Cleveland Clinic warnt ausdrücklich davor, betroffene Stellen in kaltem Wasser zu kühlen. Eisbäder könnten die Beschwerden verschlimmern und zu schlecht heilenden Wunden sowie Gewebsuntergang führen, die schwer zu behandeln seien.

Sollte sich die Vermutung bestätigen, wäre der Teich also nicht die Linderung, für die die Familie ihn seit Jahren hält, sondern ein zusätzliches Risiko. Bestätigt ist die Diagnose jedoch nicht – Ärzte müssen erst klären, was die Beschwerden tatsächlich verursacht.

Läge tatsächlich eine Erythromelalgie vor, bestünde die Behandlung laut Cleveland Clinic üblicherweise aus Medikamenten zum Einnehmen; auch Lidocain-Infusionen, Nahrungsergänzung, Schmerztherapie und bestimmte Cremes könnten demnach helfen.

Vorerst ohne Antwort

Fünf Jahre lang hat ein Teich das Brennen erträglich gemacht. Nun steht erstmals eine fachärztliche Abklärung an – und damit die Chance auf eine Antwort, die der Familie bislang niemand geben konnte.

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