Kein Einlass wegen Deutschland–Trikot – Kieler Woche sorgt für Aufruhe

Am Eingang eines Kieler Kulturfestivals – wo auch Public Viewing der deutschen Spiele angeboten wurde – gab es eine Kleiderkontrolle. Das Vergehen, das manchen Besuchern vorgeworfen wurde: Sie trugen ein Deutschland-Trikot.

Kein Deutschlandtrikot auf dem Muddi Markt

Vor dem Public Viewing des WM-Spiels Deutschland gegen die Elfenbeinküste erlebten mehrere Besucher der Kieler Woche 2026 eine böse Überraschung. Auf dem Areal des sogenannten Muddi Marktes soll Sicherheitspersonal gegen Gäste in Deutschland-Trikots vorgegangen sein.

Mitarbeiter sollen Gäste aufgefordert haben, das Trikot auszuziehen, es umgedreht zu tragen oder die Nationalsymbole darauf abzudecken. Der Hinweis einer Besucherin, dass sie unter dem Oberteil lediglich einen BH trage und ein Ausziehen deshalb nicht infrage komme, habe den Mitarbeiter nicht zum Einlenken gebracht.

Eine andere Frau in der Gruppe zog das Konsequenzen: Sie habe ihr Deutschland-Trikot demonstrativ umgedreht und dabei im Bustier vor allen Anwesenden gestanden.

Symbolfoto: Habanero Pixel / Shutterstock.com

Kein Einzelfall

Eine Besucherin zeigte sich im Nachgang fassungslos über die Maßregelung auf einem eigentlich offenen Volksfest: „Die Erfahrung auf dem Muddi Markt hat mich mit Kopfschütteln zurückgelassen. Ich dachte immer, die Kieler Woche wäre unpolitisch.“

Und sie war nicht allein. Wie Nius berichtete, gleich mehrere Besucher wurden am Eingang abgewiesen, weil sie ein Deutschland-Trikot trugen. Entsprechende Beschwerden gingen sowohl beim Veranstalter des Muddi Markts als auch im offiziellen Büro der Kieler Woche ein. In den sozialen Medien tobte daraufhin ein Shitstorm.

Das „Missverständnis“ und die Entschuldigung

Nach dem öffentlichen Druck ruderten die Veranstalter zurück. Der Vorstand des Muddi Marktes erklärte gegenüber den Kieler Nachrichten: „Am Samstag kam es zu einem Missverständnis zwischen den verantwortlichen Personen vor Ort und dem Sicherheitsdienst.“ Große Fahnen und Flaggen seien auf dem Gelände aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen — unabhängig davon, welche Nation sie repräsentierten. Ein Verbot von Fußballtrikots gebe es dagegen nicht.

In ihrer offiziellen Pressemitteilung präzisierte der Verein: Eine interne Regelung zu Fahnen und Flaggen sei durch eine fehlerhafte Weitergabe von Informationen fälschlicherweise auch auf Trikots mit Nationalflaggen bezogen worden. Fußballtrikots aller Nationen seien auf der Fläche keineswegs verboten. Man habe Johanna (eine der betroffenen Besucherinnen) direkt kontaktiert, sich entschuldigt und sie zu einem erneuten Besuch samt Freigetränken eingeladen.

Seit der Berichterstattung erreichte den Verein nach eigenen Angaben eine massive Anzahl an Hasskommentaren, sowohl an den Verein als auch an einzelne ehrenamtliche Mitglieder.

Ob Missverständnis oder nicht: Das Schwarz-Rot-Gold beim Volksfest als Problem zu behandeln, während gleichzeitig Hunderttausende Deutsche mit Trikot jubeln, war keine gute Idee.

Lies auch:

 

Lesen Sie mehr über ...