Eine Mutter meldet sich zu Wort, nachdem sie im Internet heftige Reaktionen erhalten hat – weil sie ihre 4-jährige Tochter noch stillt. Manche bezeichnen das als „unangemessen“, doch sie selbst sieht darin absolut nichts Falsches.
Die 34-jährige Shinnai Visser aus Kapstadt, Südafrika, ist Mutter von zwei Kindern und teilt ihr Leben als Mama seit Jahren in den sozialen Medien. Sie spricht offen über ihren Erziehungsstil: Homeschooling, Hausgeburten und ein Aufwachsen ganz im eigenen Tempo ihrer Kinder.
All das hat kaum für Aufsehen gesorgt. Was die Gemüter erhitzt, ist etwas anderes: Sie stillt ihre 4-jährige Tochter noch.
Unter ihren Videos haben viele Nutzer kommentiert – mit Überraschung, teils sogar mit Empörung. Manche finden, das Kind sei schlicht zu alt dafür, andere nennen es unangemessen. Shinnai hingegen findet, dass die Leute sie verurteilen, ohne die ganze Geschichte zu kennen.
Ihr zufolge geht es beim Stillen einer 4-Jährigen schon lange nicht mehr ums Essen. Gegenüber dem People Magazine erklärte sie: Es gehe um Trost und Verbundenheit.
Mutter, die 4-jährige Tochter stillt, meldet sich zu Wort
„Als ich erfuhr, dass Menschen historisch gesehen viel länger gestillt haben als wir heute, hat das meine Perspektive grundlegend verändert. Langzeitstillen ist biologisch gesehen nicht seltsam – es ist kulturell ungewohnt“, so Shinnai Visser.
Sie erklärt weiter, dass Kinder in vielen Teilen der Welt deutlich länger gestillt werden, als es im westlichen Kulturraum üblich ist. Was für manche fremd wirke, sei anderswo völlig normal.
Ihr jüngeres Kind, noch ein Kleinkind, stille sie häufiger – das empfindet sie für dieses Alter als natürlich. Bei der 4-Jährigen kommt das Stillen vor allem dann vor, wenn sie Trost braucht, müde ist oder einen schwierigen Moment erlebt.
„Manchmal stillt sie einmal am Tag, manchmal fragt sie ein paar Tage lang gar nicht danach“, erzählt Visser. In diesem Stadium sei es „sehr selten und sehr bewusst. Es ist kurz, ruhig – und sie bestimmt das Tempo.“
Trotz aller Kritik schämt sich Shinnai Visser nicht. Sie hofft, dass ihre Offenheit anderen Eltern das Gefühl gibt, für ihre eigenen Entscheidungen weniger verurteilt zu werden.
Denn Erziehung, sagt sie, sieht nicht für alle gleich aus – entscheidend sei, dass Kinder sich sicher, geliebt und geborgen fühlen.
Starkes Gleichgewicht zwischen Bindung und Selbstständigkeit
Was die Vorteile des Langzeitstillens angeht, berichtet Visser dem People Magazine, dass sie bei ihrer 4-Jährigen „eine bessere emotionale Ausgeglichenheit und ein tiefes Sicherheitsgefühl“ beobachte – verbunden mit einem gesunden Gleichgewicht zwischen Bindung und Selbstständigkeit.
„Selbstständigkeit entsteht am besten aus sicherer Bindung heraus, nicht durch erzwungene Trennung“, sagt sie. „Stillen ersetzt keine Selbstständigkeit – es fördert sie, weil emotionale Bedürfnisse erfüllt statt unterdrückt werden.“
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