Nipah-Virus breitet sich in Indien aus – WHO überwacht Lage

Während die Welt noch immer mit den Folgen der COVID-19-Pandemie ringt, scheint bereits ein neues Virus aufzutauchen.

Gesundheitsbehörden weltweit sind in höchster Alarmbereitschaft: Ein Virus breitet sich aus, das eine erhebliche Sterblichkeitsrate aufweist – und für das es derzeit keine Behandlung gibt.

Anfang dieses Monats schlug die Nachricht ein: Fünf Menschen in West Bengal, Indien, hatten sich mit der Krankheit infiziert. Narayan Swaroop Nigam, der Hauptsekretär des Gesundheits- und Familienwohlfahrtsministeriums, erklärte gegenüber den Medien: „Zwei Krankenschwestern in einem privaten Krankenhaus sind mit dem Nipah-Virus infiziert, und eine von ihnen befindet sich in kritischem Zustand.“

Die beiden betroffenen Krankenschwestern hatten zwischen dem 28. und 30. Dezember zusammen im Krankenhaus gearbeitet. Kurz darauf erkrankten sie und mussten Anfang dieses Monats auf die Intensivstation eingeliefert werden.

100 Menschen in Quarantäne

Mittlerweile befinden sich Berichten zufolge 100 Menschen in Quarantäne – alle stehen im Verdacht, sich mit dem Virus infiziert zu haben.

Nachdem die ersten Fälle bestätigt wurden, reagierten Thailand, Nepal und Taiwan sofort: Sie verschärften ihre Vorsichtsmaßnahmen an den Flughäfen. Die Protokolle aus der COVID-19-Pandemie sind wieder in Kraft.

Dazu gehören Temperaturkontrollen, Maskenpflicht und Abstandsregelungen, um die Ausbreitung einzudämmen.

Symptome des Nipah-Virus

Die US-Gesundheitsbehörde CDC warnt vor den typischen Symptomen: eine plötzlich auftretende grippeähnliche Erkrankung mit Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit.

In manchen Fällen kommen Husten, Atemnot und sogar Lungenentzündung hinzu.

Die gefährlichste Komplikation ist jedoch Enzephalitis – eine Schwellung des Gehirns. Diese kann schwere neurologische Schäden verursachen: Verwirrung, verändertes Bewusstsein, Krampfanfälle oder sogar Koma.

Die Inkubationszeit beträgt zwischen vier und 21 Tagen. Besonders tückisch: Neurologische Symptome können erst Tage oder sogar Wochen nach den ersten Anzeichen auftreten.

Was ist das Nipah-Virus?

Das Nipah-Virus ist ein sogenanntes zoonotisches Virus – es springt von Tieren auf Menschen über. Die Hauptträger sind Flughunde und Schweine.

Doch auch kontaminierte Lebensmittel oder direkter Kontakt mit Infizierten können zur Ansteckung führen.

Sterblichkeitsrate bis zu 75%

Zum Vergleich: Coronaviren hatten eine globale Sterblichkeitsrate von etwa 3,4%. Das Nipah-Virus ist weitaus tödlicher. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Sterblichkeitsrate auf 40% bis 75%. Das macht seine Ausbreitung zu einem extrem gefährlichen Ereignis.

Das größte Problem: Es gibt weder Impfstoffe noch Medikamente zur Behandlung – weder für Menschen noch für Tiere.

Einordnung: Wie gefährlich ist das Nipah-Virus wirklich?

Trotz der alarmierenden Zahlen gibt es wichtige Unterschiede zu COVID-19, die das Pandemie-Risiko deutlich reduzieren.

Der entscheidende Faktor: Das Nipah-Virus verbreitet sich nicht leicht von Mensch zu Mensch. Es erfordert engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen – eine Übertragung über die Luft wie bei Corona findet nicht statt.

Seit der ersten Entdeckung 1998 gab es mehrere Nipah-Ausbrüche, jedoch blieben alle regional begrenzt auf Süd- und Südostasien. Kein einziger Ausbruch entwickelte sich zur globalen Bedrohung. Die Ausbrüche umfassten typischerweise 10 bis 100 Fälle, nicht Tausende oder Millionen wie bei COVID-19.

Der Grund: Das natürliche Reservoir des Virus – Flughunde – kommt hauptsächlich in dieser Region vor. Zudem greifen Quarantänemaßnahmen und Kontaktverfolgung bei Nipah deutlich besser als bei luftübertragbaren Viren.

Für Menschen in den betroffenen Regionen Indiens bleibt die Situation dennoch ernst. Die hohe Sterblichkeitsrate macht jede Infektion lebensbedrohlich. Die WHO überwacht die aktuellen Fälle eng und hat Nipah auf der Liste prioritärer Krankheiten für Forschung und Impfstoffentwicklung.

Die verschärften Flughafenkontrollen in Nachbarländern sind eine angemessene Vorsichtsmaßnahme – nicht Ausdruck übertriebener Panik, sondern verantwortungsvolle Eindämmungsstrategie.

Lies auch:

 

Lesen Sie mehr über ...