Foto: Pflegestreik Südwest/Facebook.com

Pflegepersonal erhält von Europa- und Finanzministerium Wurst in Dosen und vegetarischen Aufstrich als Dankeschön

Während mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie viele Millionen Menschen in Kurzarbeit geschickt wurden oder ihren Job verloren, erlebten viele das Gegenteil.

Sie hatten im Zuge der Krise mehr zu tun. Das betrifft insbesondere das Pflegepersonal und alle weiteren Krankenhausmitarbeiter, die sich seitdem, abhängig vom Krankheitsstand, täglich um Corona-Infizierte kümmern und der Gefahr ausgesetzt sind, sich ebenfalls anzustecken.

Aus diesem Grund wurden den Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, von der Politik vor gar nicht allzu langer Zeit ein Bonus versprochen. Doch passiert ist bislang wohl nichts.

Bis zur vergangenen Woche, da erreichte das Pflegepersonal ein Paket aus dem Europa- und Finanzministerium, wie RTL berichtete.

Doch der Inhalt wirft viele Fragen auf und sorgte bei den hart arbeitenden Pfleger und Pflegerinnen für Diskussionen.

Lyoner Wurst und vegetarischer Aufstrich

Das Ministerium wollte eigentlich „Danke“ sagen. Sich bei all jenen bedanken, die sich in der Hochphase der Pandemie um französische Corona-Patienten gekümmert haben.

In der Tüte befand sich aber kein Bonus, wie vielleicht zunächst erhofft und erwartet, sondern Lyoner Wurst und ein vegetarischer Aufstrich.

Für Michael Quetting, Verdi-Pflegebeauftragter, war das Grund genug, um sich mit dem Hashtag #Lyonergate über Facebook zu melden:

„Das Pflegepersonal, das in der Coronazeit aktiv war, erhielt eine Tasche mit einem „saarländischen Dankeschön“. Inhalt: Taschen mit je einem Lyoner Aufstrich und einem vegetarischen Aufstrich. So erhielt die Corona Intensivstation der SHG Kliniken in Völklingen für etwa 40 Kolleginnen genau drei Tüten.

Die können sich nun wahrlich den Magen vollschlagen.“

Deswegen fordert Quetting:

„Unsere Forderungen zur Aufwertung und Entlastung sind bekannt.

Und die heißen eben nicht Lavendel oder Lyonerstreichwurst.“

Die Spitze mit Lavendel bezog sich auf die Landesregierung in Rheinland-Pflanz. Diese hatte den Mitarbeiter der Mainzer Uniklinik Lavendel-Sträuße als Dankeschön zukommen lassen.

Aus #Lavendelgate wurde #LyonergateDeutschland schüttelt den Kopf. Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz bedankte…

Gepostet von Pflegestreik Südwest am Donnerstag, 20. August 2020

Für seinen Facebook-Beitrag erhielt Quetting viel Zuspruch.

Eine Userin kommentierte etwa:

„Pflegekraft und Krankenschwester sind einer der härtesten und wichtigsten Jobs überhaupt, physisch wie psychisch. So was zu machen ist nicht nur respektlos gegenüber diesen Arbeiterinnen und Arbeitern, sondern komplett verblödet.

Wenn es so weitergeht wird keiner mehr freiwillig so einen Job erlernen.“

„Haltet die Ohren steif“

Mitleid gab es ob dieses Dankeschöns auch:

„Es tut mir wirklich leid für alle Beteiligten, dass ihr Einsatz in dieser Art und Weise „gewürdigt“ wird. Haltet die Ohren steif.“

Für das Europa- und Finanzministerium ist diese Aufregung dagegen unverständlich.

Europa-Staatssekretär Roland Theis verteidigte gegenüber der Bild das Care-Paket:

„Uns ging es darum, eine Geste des Dankeschöns an einige Akteure in den deutsch-französischen Beziehungen zu senden. Neben den Teams der Kliniken gingen die Geschenke auch an die französischen Gesundheitsbehörden, die Bundespolizei und Partner an Universitäten.“

Man kann sich vorstellen, dass die meisten Mitarbeiter aus dem Pflegebereich wohl auf eine Anerkennung in anderer Form gehofft haben.

Was hältst du von dieser Geste?

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