Lars von Triers „Nymphomaniac“: Warum Zuschauer warnen, diesen Film bloß nicht mit anderen zu schauen

Eine poetische und gewagte Geschichte, die die intime Reise einer Frau von der Geburt bis zum Alter von 50 Jahren begleitet – erzählt von der Hauptfigur, der selbsternannten Nymphomanin Joe.

So lässt sich Lars von Triers provokanter Film „Nymphomaniac“ am besten beschreiben.

Und einige Zuschauer warnen: Dieser Film ist definitiv nicht für jeden …

Heftige Reaktionen von Anfang an

Schon als Lars von Triers provokantes Drama „Nymphomaniac“ 2013 Premiere feierte, fielen die Reaktionen extrem aus.

Die Schauspieler entblößen sich darin wie nie zuvor – emotional und körperlich. Neue Zuschauer werden deshalb eindringlich gewarnt, sich vorher genau zu überlegen, wo und mit wem sie den Film schauen. Denn „Nymphomaniac“ hat sich vor allem einen Ruf gemacht: für seine schonungslos expliziten Szenen.

Der zweiteilige Film von Lars von Trier ist hochkarätig besetzt: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, Jean-Marc Barr, Willem Dafoe, Connie Nielsen und Mia Goth.

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Im Mittelpunkt steht eine selbsternannte Nymphomanin, die ihre Lebensgeschichte einem älteren Mann erzählt, der sie verletzt in einer Gasse findet. In acht Kapiteln schildert sie Erlebnisse von ihrer Kindheit bis zum 50. Lebensjahr – Beziehungen, innere Kämpfe, Suchtverhalten – während ihr Zuhörer das Gehörte mit eigenen, teils skurrilen Interpretationen kommentiert.

„Schaut ihn bloß alleine!“

Weil der Film realistische Sexszenen enthält, die durch eine Mischung aus schauspielerischer Darstellung und digitaler Nachbearbeitung entstanden sind, warnen zahlreiche Zuschauer in den sozialen Medien davor, den Film in Gesellschaft anzuschauen.

„Wenn ihr vorhabt, Nymphomaniac Teil 1 und 2 zu schauen: Schaut ihn alleine“, schrieb jemand.

„Ich hätte den Film nicht so jung schauen sollen“, meinte ein anderer.

Und wieder jemand: „Ich glaube, ich sollte Nymphomaniac besser alleine schauen … Fragt nicht.“

Noch vor dem Kinostart erklärte Produzentin Louise Vesth beim Filmfestival in Cannes dem Hollywood Reporter, wie die intimen Szenen entstanden.

„Wir haben die Schauspieler dabei gefilmt, wie sie die Sexszenen nachgestellt haben, und parallel dazu Body-Doubles, die tatsächlich Sex hatten. In der Postproduktion wurden beide Aufnahmen digital zusammengefügt“, so Vesth. „Oberhalb der Taille sieht man also den Star, unterhalb der Taille die Doubles.“

Kritiker gespalten – aber begeistert gestritten

Die Reaktionen der Filmkritiker fielen gemischt aus, aber eins waren sie nie: gleichgültig. Teil eins des Films kommt auf Rotten Tomatoes auf 77 %, Teil zwei auf 59 %.

Einige Rezensenten lobten den Mut des Films, die Leistungen der Darsteller und die unkonventionelle Erzählweise.

„Mit seinen wild absurden Obszönitäten, furchtlos mutigen Darstellungen und der bewusst ausufernden Formlosigkeit provoziert Nymphomaniac die mittlerweile vertraute Symphonie aus Seufzern, Keuchen und Lachern“, schrieb ein Kritiker.

Ein anderer urteilte: „Empörend, inspirierend, frustrierend, kindisch, verwirrend, grausam, schön, lustig – Nymphomaniac ist ein Film, den man nicht mit einem einfachen ‚gut oder schlecht‘ abtun kann.“

Andere wiederum bemängelten emotionale Distanz und übertriebene Explizitheit.

„Für alle, die erotisches Verlangen nicht mit den Feinheiten des Fliegenfischens gleichsetzen, ist Nymphomaniac: Vol. 1 eher ermüdend als erregend“, hieß es in einer Rezension. „Nymphomaniac ist ein eigentümlicher, düsterer und ausgesprochen männlicher Blick auf die Begierden einer Frau – keine ehrliche Auseinandersetzung mit ihren vielfältigen Wünschen.“

Beide Teile von „Nymphomaniac“ sind in Deutschland unter anderem bei Amazon Prime Video zum Leihen oder Kaufen verfügbar sowie im Abo bei ArthouseCNMA und Magenta TV+

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