Foto: Dresden Nazifrei/Facebook.com

2. Fall: Marsch von Mädchen in Uniformen und völkischen Symbolen sorgen in Sachsen für Entsetzen und Verwirrung

Wer sich mit der Geschichte Deutschlands beschäftigt, wird nicht drumherum kommen, auf das dunkelste Kapitel während der Nazi-Herrschaft zu stoßen.

Der Holocaust und die Verbrechen an der Menschheit, die gerade einmal vor etwa 70 verübt wurden, hängen den Deutschen nach wie vor nach, auch wenn dahingehend viel Aufklärungs- und Präventionsarbeit geleistet wurde.

Dieses Kapitel soll natürlich nicht vergessen, aber selbstverständlich auch nicht wiederholt werden.

Umso sprachloser machen deswegen die Bilder, die aus Sachsen an die Öffentlichkeit gelangten und über die der Focus berichtete.

Geflochtete Zöpfe und Uniformen

Dort hatten am Dienstag auf dem Elbradweg von Wehlen nach Rathen im Elbsandsteingebirge Wanderer besonderer Art auf sich aufmerksam gemacht.

Es handelte sich dabei um mehrere Mädchen, die mit geflochtenen Zöpfen und Uniformen, die optisch an die Nazi-Jugendorganisation Bund Deutscher Mädel (BDM) erinnerten, für einen seltsamen Anblick sorgten.

Auf Facebook teilte das Bündnis „Dresden Nazifrei“ mehrere Fotos dieser Mädchen:

Auffällig war außerdem, dass sie in hellbraunen Blusen im Gleichschritt marschierten und auf dem Oberarm einen markanten Aufnäher hatten.

Dabei handelte es sich um einen sogenannten Wotansknoten (auch Valknut genannt), der als germanisches Kriegersymbol gilt.

Man kann ihn auch mit „im Kampf erschlagener Krieger“ übersetzen und das Symbol wird in der rechtsextremen Szene häufiger verwendet.

Kerstin Köditz, Linken-Landtagsabgeordnete und Expertin für die rechtsextreme Szene, sagte gegenüber der Bild:

„Wir können diese Gruppierung bislang nicht zuordnen. Sie ist möglicherweise neu, augenscheinlich aber eine völkisch-rechte Jugendorganisation.“

Nicht der einzige Fall

Der Auftritt dieser Mädchen auf dem Elbwanderweg war in dieser Region nicht die einzige Erscheinung in den vergangenen Tagen.

Rund 50 Kilometer von Wehlen und Rathen entfernt, fand sich eine weitere Gruppe Mädchen mit Zöpfen in Dresden zusammen und stellten sich in der Nähe der Frauenkirche öffentlich hin.

Zu dieser Gruppierung konnte Köditz aber eine Aussage treffen:

„Hier handelt es sich um eine Gruppe des sogenannten Freibunds.“

In diesem Fall trugen die Mädchen rote Matrosenhemden und blaue Röcke.

Diese Vereinigung sieht sich selbst zwar als eine eher unpolitische Pfadfinder-Tradition nach der Ersten Weltkrieg entstandenen „Bündischen Jugend“, zählt man sie dennoch dem rechten Milieu zu.

Das liegt daran, dass die Gesinnung der „Bündischen Jugend“ als umstritten gilt und Historiker sehen sie mit ihrer soldatischen Organisation als Steigbügelhalter der Nazis.

Die Polizei gab unterdessen nach Nachfrage der Zeitung an, dass keine Anzeigen gegen die beiden Mädchengruppen vorliegen.

Dennoch gingen Hinweise beim Staatsschutz ein.

Viele Menschen dürften sich beim Anblick solcher Bilder in Zeiten zurückversetzt fühlen, die man nie wieder durchleben möchte.

Man kann nur hoffen, dass die Politik und alle Beteiligten diese Bilder ernstnehmen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

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