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Amt kürzt Student das Wohngeld – weil er Lebensmittel von der Tafel bekommt

Berlin: Finanzielle Sorgen beschäftigen viele Menschen. Auch in Deutschland.

Als Sozialstaat gehört dazu, dass Bürger, die finanzielle Probleme haben, unterstützt werden. Egal ob alleinerziehendes Elternteil, Arbeitsloser oder Student.

Viele Menschen sind auf die staatliche Hilfe angewiesen, um überleben zu können. Gerade bei Heranwachsenden, wie Studenten und Auszubildenden, ist es auch wichtig, dass sie finanzielle Unterstützung bekommen.

Egal ob von den Eltern oder, wenn diese es aus eigener Tasche nicht stemmen können, das Land. Die Jugend muss in ihrer Ausbildung und Bildung unterstützt werden und darf nicht mit der Sorge leben, sich kein Essen leisten zu können.

Studenten werden mit dem so genannten Wohngeld unterstützt, welches für Mietzahlungen gedacht ist. So können bedürftige Studenten finanziell entlastet werden.

In Berlin hat ein Bezirksamt nun ein besorgniserregendes Urteil gefällt. Einem Studenten wurde das Wohngeld gekürzt, weil er Hilfe von der Tafel angenommen hatte.

Frank Tiemann ist Student und lebt in Berlin. Der 32-Jährige lebt vor allem von Erspartem und seinem 450-Euro-Job.

Durch sein geringes Einkommen steht ihm Wohngeld zu. Dieses sollte ihm zwischen 150 und 200 Euro einbringen. Damit wäre seine Kaltmiete gedeckt.

Bereits im Sommer 2018 hatte Tiemann einen Wohngeldantrag beim Bezirksamt Berlin-Lichtenberg gestellt.

Dem Spiegel liegt nun ein Bescheid des zuständigen Amtes vor, der besagt, dass der Student nur 83 Euro pro Monat vom Amt bekommen würde.

Weniger Geld, weil er zur Tafel muss

Der Grund für die viel geringer ausfallenden Hilfeleistungen: Frank Tiemann bezieht Lebensmittel von der Tafel. Einrichtungen wie der „Die Berliner Tafel e.V.“ sind gemeinnützige Vereine und Organisationen, die über Lebensmittelspenden bedürftigen Menschen Lebensmittel zur Verfügung stellen können.

Der Student geht regelmäßig zu einem Projekt der Berliner Tafel, der Kirche und des RBB, „Laib und Seele“. Das Amt rechnet, dass diese Lebensmittel monatlich knapp 241 Euro wert sind.

Damit soll Tiemann deutlich mehr „verdienen“, als durch seinen 450-Euro-Job.

Klar ist, mit einer Unterstützung von nur 83 Euro im Monat, kann Tiemann seine Wohnung nur sehr schwer bezahlen. Also legte er Einspruch ein, der abgewiesen wurde. Nun arbeitet er neben seinem Vollzeitstudium in zwei Nebenjobs, um seinen Lebensunterhalt zahlen zu können.

„Willkürlich festgelegt“

Die Berliner Tafel zeigt sich empört. In einer Pressemitteilung erklärt sie:

„Bereits bei ihrer Gründung vor 26 Jahren hat sich die Berliner Tafel bewusst gegen öffentliche Fördergelder entschieden: einerseits, um nicht die Zuwendungen für andere soziale Einrichtungen zu schmälern und andererseits, um unabhängig zu bleiben und genau dieser unrechtmäßigen Verquickung von staatlicher Pflicht und ehrenamtlichem Engagement vorzubeugen.“

Vor allem die Rechnung, der Student würde Lebensmittel im Wert von 51 Euro für das Frühstück und je 95 Euro für Mittag- und Abendessen pro Monat bekommen seien schlicht falsch. Die Preise seien „willkürlich festgelegt“ und die Menge der Lebensmittel reicht nicht, um vollständig versorgt zu werden.

Juristische Grauzone

Das Problem für Frank Tiemann ist, dass sich sein Fall in einer juristischen Grauzone befindet. Antje Trösch, Pressesprecherin der Tafel in Berlin gibt an, dass sein Fall absolut erstmalig vorkommt.

Der 32-Jährige wird nicht mehr in Berufung gehen. Doch er begründet seinen Gang in die Öffentlichkeit damit, dass er verhindern möchte, dass dies üblich wird und die Sachbezüge der Tafel gegen Sozialleistungen gerechnet werden.

Im folgenden Video begleitet der RBB den Berliner Studenten:

Wie stehst du zu dem Thema? Findest du es richtig, dass Menschen, die Lebensmittel gespendet bekommen, dafür weniger Geld von den Ämtern erhalten sollten?