Berliner Stromausfall – Massive Kritik an Behörden

Seit Samstagmorgen sind in Berlin knapp 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden ohne Strom. Zwar konnten inzwischen ca. 15.000 Haushalte wieder mit Strom versorgt werden, aber es bleiben weiterhin Zehntausende, die bei eisigen Temperaturen seit Tagen vom Stromausfall betroffen sind.

Der Ausfall betrifft vor allem die Stadtteile Nikolasee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Die Bundeswehr ist inzwischen im Einsatz, und es wurden mehrere Notunterkünfte errichtet.

Grund soll ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke sein, zu der sich die linksextremistische Vulkangruppe bekannt hat. Frühestens am Donnerstag soll der Schaden behoben sein.

Kai Wegner erst 36 Stunden später vor Ort

Der Stromausfall in Berlin und seine Folgen führte zu reichlich Kritik an Politikern und Verantwortlichen – und das in einer Stadt, in der nicht immer alles glatt läuft und die schon an Krisen gewöhnt ist.

Der Flughafen Berlin kostete 7 statt 2 Milliarden und öffnete 9 Jahre zu spät – Ursache war ein Aufsichtsrat voller fachfremder Politiker und fehlendes Management.

Bereits im September 2025 gab es einen ähnlichen Stromausfall durch Brandanschlag – passiert ist seitdem offenbar: nichts. Das Muster wiederholt sich: Verspätete Reaktionen, zersplitterte Zuständigkeiten.

Der regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegner war erst 36 Stunden später vor Ort sichtbar, und erst nach über 10 Stunden tagte überhaupt ein Krisenstab.

Wegner soll im Home Office gearbeitet haben und plante offenbar anfangs nicht einmal, sein Büro im Roten Rathaus aufzusuchen. Von Zuhause aus soll er nach eigenen Angaben unter anderem mit Stromnetz Berlin, Senatoren und dem Kanzleramt telefoniert haben.

Dennoch schien er nicht gut informiert gewesen zu sein. Die Berliner Zeitung kommentierte: „Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner brauchte zehn Stunden, um sich zu melden. Er verlor einige nutzlose Phrasen, die zeigten: Der Mann hat keine Ahnung.“

Auf die Kritik antwortete Wegner: „Ich habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt. Ich war zu Hause und habe mich in mein Zuhausebüro eingeschlossen und koordiniert.“

Und was sagt Bundeskanzler Friedrich Merz zum Stromausfall? – man würde doch annehmen, dass ein Anschlag in der Hauptstadt eine Reaktion des Kanzlers hervorrufen würde. Bis jetzt herrscht Schweigen im Walde aus dem Kanzleramt.

Stattdessen sprach Friedrich Merz internationale Themen (Venezuela-Krise) an– und gratulierte Markus Söder zum Geburtstag. Zum Stromausfall in Berlin schwieg er. Das kam bei vielen nicht gut an:

Franziska Giffey zieht mit „Sonderangebot“ reichlich Kritik auf sich

Franziska Giffey – Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Berlin – fiel zwar nicht wegen ihrer Abwesenheit auf (tatsächlich war sie deutlich präsenter als Wegner), jedoch sorgten ihre Aussagen für Kritik.

Sie machte betroffenen Bürgern ein „Sonderangebot„. Für ein Doppelzimmer mit Frühstück sollten diese „nur“ 70 Euro zahlen.

Kommentare in den sozialen Medien bezeichneten dies als „Armutszeugnis“. Denn was ist – so die berechtigte Frage – mit Menschen, die sich dieses Angebot nicht leisten können?

Wie der RBB im Dezember berichtete und von Apollo News zitiert wird, zahlt der Berliner Senat pro Flüchtling 40 bis 60 Euro an Fixkosten für einen Tag Unterbringung im Hotel. Dazu kommen weitere Kosten wie beispielsweise für das Catering. Doch für die eigene Bevölkerung scheint im Notfall kein Geld zur Verfügung zu stehen.

Später ruderte Kai Wegner zurück und gab an, dass der Senat die Hotelkosten übernehmen werde.

Kontroverse Pressefotos

Wegner besuchte am Sonntagabend (36 Stunden nach dem Stromausfall) die Notunterkunft im Cole-Sports-Center am Hüttenweg – mit Presse im Schlepptau.

Pressefotos zeigen, wie er zusammen mit Innensenatorin Iris Spranger über einer alten, gebrechlichen wirkenden Frau steht, die zugedeckt auf einem Feldbett liegt.

Die PR-Inszenierung kam nicht gut an, auch nicht bei der Familie der 97-jährigen Frau. Der Sohn konfrontiert Wegner:

„Sie ist 97 Jahre alt, hat Pflegestufe 4 und liegt hier auf einem Feldbett. Sie hat hier kaum getrunken und gegessen. Ihr Zustand hat sich deutlich verschlechtert.“

„Wir als Familie wurden nicht informiert, wie sie hier untergebracht wird. Ich hätte sie ansonsten zu mir geholt.“

Ein weiterer Mann beschuldigt Kai Wegner der Untätigkeit:

„Was ist hier los in dieser Stadt, Herr Bürgermeister? Das ist ja unfassbar alles!“ „Ich hab so einen Hals. Wie man hier mit alten Menschen umgeht. Es ist nur widerlich.“

1700 THW-Generatoren in die Ukraine und ein gelöschter Beitrag

Während Berliner Baumärkte binnen Stunden ihre Notstromgeneratoren ausverkauft meldeten und Betroffene verzweifelt nach Stromaggregaten suchten, offenbarte sich eine pikante Detail: Das Technische Hilfswerk (THW) hatte seit 2022 mindestens 1.700 Stromgeneratoren in die Ukraine geliefert – koordiniert ausgerechnet durch das Bundesinnenministerium in Berlin.

Allein die erste Lieferung im Dezember 2022 umfasste 470 Aggregate im Wert von 19,5 Millionen Euro. Hinzu kamen über 1.100 Ölheizgeräte, 180 winterfeste Zelte, Feldküchen und Wohncontainer.

Besonders brisant: Am 4. Januar 2026, während tausende Berliner Haushalte im Dunkeln saßen, löschte die Bundesregierung die ursprüngliche Pressemitteilung über die Generator-Lieferungen von ihrer Website.

Das Timing sorgte für Empörung in den sozialen Medien und nährte den Vorwurf, Deutschland kümmere sich besser um ausländische Krisengebiete als um die eigene Bevölkerung.

Linksextreme, anarchistische Gruppierung steckt hinter Anschlägen

Eine seit 2011 aktive linksextreme, anarchistische Gruppierung, die systematisch kritische Infrastruktur angreift, steckt hinter der Attacke. Trotz 15 Jahren Aktivität und mindestens 8 dokumentierten Anschlägen konnte kein einziger Täter verhaftet werden.

Die Gruppe rechtfertigt ihre Anschläge als „Notwehr“ gegen Klimazerstörung und „imperiale Lebensweise“.

Systemisches Versagen

Im September 2025 gab es bereits einen ähnlichen Anschlag in Treptow-Köpenick mit rund 50.000 Betroffenen. Offenbar gibt es keine ausreichende Nachbesserung beim Schutz kritischer Infrastruktur. Zwar sind 99% des Netzes unterirdisch, aber das 1% oberirdisch bleibt verwundbar.

Aber die Frage, die sich viele stellen: Warum dauert die Reparatur so lange?

Die Wiederherstellung der Stromversorgung erweist sich als technische Mammutaufgabe: Bei dem Brandanschlag wurden fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel zerstört – Schäden, deren Reparatur unter normalen Umständen fünf Wochen dauern würde.

Besonders komplex: Für die provisorische Lösung müssen zwei unterschiedliche Kabeltechnologien miteinander verbunden werden – ein Kunststoffkabel trifft auf ein unter 3 Bar Druck stehendes Ölkabel. Die Arbeiten erfordern spezialisierte Experten, eine 14 Meter tiefe Baugrube, beheizte Zelte (da die zehn Zentimeter dicken Kabel Plusgrade benötigen) und eine staubfreie Umgebung.

„Die Kraft, mit der eine kontinuierliche Hitzeentwicklung erfolgt ist, war größer als die Kraft, die eine Kugelbombe hätte auslösen können“, erklärte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey.

Eine Kugelbombe hätte den gesicherten Leitungen nichts anhaben können – die Brandsätze waren gezielt direkt unter den Kabeln platziert worden. Die Teams arbeiten rund um die Uhr, um die fünf Wochen auf fünf Tage zu verkürzen.

Während die technischen Erklärungen für die Reparaturdauer nachvollziehbar erscheinen, offenbart der Ausfall eine fundamentale Schwäche der Berliner Infrastruktur.

„Wie auch schon beim Anschlag im September 2025 hat wohl erneut die sogenannte Redundanz versagt“, berichtet die taz. Redundanz bedeutet, dass beim Ausfall der Hauptleitung sofort eine zweite Leitung die gesamte Last übernimmt.

Die Gewerkschaft der Polizei übt scharfe Kritik: „Wir erleben jetzt binnen kürzester Zeit den zweiten Super-Gau nach einem Brandanschlag auf Stromleitungen in dieser Stadt und sehen einmal mehr, dass unsere kritische Infrastruktur aufgrund von Monopollösungen leicht angreifbar ist“, sagte GdP-Landeschef Stephan Weh. „Wir dürfen keine Zeit verlieren, entsprechende Redundanzen aufzubauen.“

Die NZZ stellt die entscheidende Frage: „Es ist erstaunlich, dass sich mehrere Bezirke der Hauptstadt so leicht ausknipsen lassen und die Reparatur des Schadens dann auch noch tagelang auf sich warten lässt. Hier kann man ebenfalls fragen, wo die Prioritäten liegen.“

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