Wer hätte das vor ein paar Jahren noch gedacht? Porsche, der strahlende Cashcow des Volkswagen-Konzerns, kämpft gerade mit dem wohl schmerzhaftesten Gewinneinbruch seiner jüngeren Geschichte und steckt in einer Krise.
Das operative Ergebnis der Sportwagenmarke sank von 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf nur noch rund 90 Millionen Euro im Jahr 2025. Die operative Rendite fiel dabei von 14,5 Prozent auf gerade mal 0,3 Prozent.
Porsche-Krise: Zahlen, die wehtun
Ein Einbruch um 98 Prozent. Die Marge verzwergt sich auf 0,3 Prozent – 2024 lag sie noch bei 14,5 Prozent.
Parallel zum Gewinneinbruch gingen auch Absatz und Umsatz zurück. Der Absatz sank von 313.000 auf 266.000 Fahrzeuge, was einem Minus von rund 15 Prozent entspricht.
Der Umsatz fiel von 36,4 auf 32,2 Milliarden Euro. Auch inklusive Finanzdienstleistungen bleibt das Bild düster: Gerade mal 413 Millionen Euro standen am Ende der Rechnung, nach 5,6 Milliarden im Vorjahr.
Schuld daran? Gleich mehrere Baustellen auf einmal
Laut Auto Motor und Sport nennt Volkswagen mehrere Gründe für die schwache Entwicklung – und keiner davon ist wirklich überraschend, wenn man die letzten Jahre verfolgt hat.
China läuft nicht mehr. Der Luxusmarkt dort ist laut Unternehmensangaben regelrecht eingebrochen. Viele wohlhabende Kundinnen und Kunden in der Volksrepublik geben ihr Geld nicht mehr so locker aus.
Die Immobilienkrise hat Spuren hinterlassen, und ein wachsender Patriotismus lenkt die Nachfrage zu heimischen Marken. Ein Markt, auf dem Porsche lange Zeit hervorragend verdient hat, bricht also weg.

Der E-Auto-Schwenk kam zu früh – und kostet jetzt richtig viel. Porsche hatte sich auf eine schnelle Elektrifizierung eingestellt, aber die Kundschaft wollte das schlicht nicht so.
Porsche leidet unter einer Fehleinschätzung zum Tempo des Umstiegs auf Elektroautos. Da die Sportwagenfans am Verbrennungsmotor hängen, verlegt sich Porsche wieder stärker auf Modelle mit konventionellen Antrieben. Der Strategiewechsel zurück zum Verbrenner klingt logisch, ist aber teuer: Rund 3,1 Milliarden Euro an Sonderkosten veranschlagt Porsche für 2025 – vor allem für die Rückkehr der Verbrennerproduktion und den Umbau von Lieferketten.
US-Zölle obendrauf. Als wäre das alles nicht genug, drücken auch noch Importzölle auf die Marge. Motor1 berichtet, dass ohne die Zoll-Effekte die operative Rendite auf Konzernebene bei 5,5 Prozent gelegen hätte – mit Zöllen sind es nur noch 4,6 Prozent.
Neuer Chef, schweres Erbe
Der im Januar angetretene neue Porsche-Chef Michael Leiters muss das Steuer herumreißen – mit weiteren Einsparungen und der Neuausrichtung des Modellangebots. Der früher bei McLaren und Ferrari tätige Manager will den Schwerpunkt stärker auf Modelle mit Verbrennungsmotoren wie die Ikone 911 legen.
Währenddessen droht Porsche langfristig den Anschluss zu verlieren, während andere Hersteller wie Tesla oder BYD ihre Produktionskosten senken und E-Autos massentauglich machen. Der sportliche Imagevorsprung allein könnte langfristig nicht reichen.
Wie geht’s weiter?
Die Hoffnung ruht darauf, dass der Rückweg zur Verbrenner-Stärke kurzfristig Boden gutmacht, während parallel neue Elektromodelle für später in der Schublade liegen.
Ob das aufgeht, wird sich zeigen. Klar ist: Die Automobilwoche spricht von einem „schwachen China-Geschäft und einem späten Modell-Strategiewechsel“ als Haupttreiber der Misere. Beides lässt sich nicht von heute auf morgen beheben.
Porsche steckt in einer echten Krise – und der Weg raus führt wohl nur über einen langen Atem, unpopuläre Entscheidungen und ein bisschen Glück auf den Weltmärkten.
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