Stromausfall in Berlin: Neue Vorwürfe gegen Kai Wegner

Sechs Monate nach dem Blackout in Berlin gerät der Regierende Bürgermeister erneut unter Druck. Nach einer erfolgreichen Auskunftsklage des Tagesspiegels musste die Senatskanzlei einräumen, dass Wegner am Morgen des 3. Januar entgegen seiner früheren Darstellung kein einziges dienstliches Telefonat geführt hat.

Kai Wegner sagte nicht die Wahrheit

Es sei „vor 12:45 Uhr kein Telefonat geführt“ worden, teilte die Behörde mit; der Austausch habe stattdessen per Textnachrichten stattgefunden.

Das erste Telefonat um 12:45 Uhr führte Wegner demnach mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) – also unmittelbar vor seinem Tennismatch um 13 Uhr.

Wegner hatte sein rund einstündiges Tennisspiel am ersten Blackout-Tag damit begründet, er habe wegen der vielen Telefonate den „Kopf freikriegen“ müssen. Gegenüber Welt TV hatte er erklärt, bereits um 8:08 Uhr mit dem Telefonieren begonnen zu haben. Die jetzt herausgegebenen Dokumente widerlegen das: Vor der Tennispause hatte er lediglich zwei sehr kurze Telefonate geführt.

Pikant ist auch, dass die Senatskanzlei entsprechende Fragen im März noch als „unzutreffend“ zurückgewiesen und diese Auskunft nun korrigiert hatte.

Der Hintergrund

Am 3. Januar 2026 hatten mutmaßliche Linksextremisten einen Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz verübt. Im Südwesten der Stadt waren rund 100.000 Menschen teils tagelang ohne Strom – es war der längste Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte. Die Täter sind bis heute nicht gefasst. Wegner war schon während der Krise wegen mangelnder Präsenz und Krisenkommunikation kritisiert worden; im März hatte er „Fehler in der Kommunikation“ eingeräumt, eine bewusste Täuschung aber bestritten.

Die neuen Erkenntnisse fallen in eine heikle Phase: Am 20. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Ob die Debatte über Wegners Verhalten am Blackout-Tag den Wahlkampf prägt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.

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