Ukrainischer Tourist wirft Stein auf bedrohte Robbe auf Hawaii – Einheimischer verpasst ihm eine Abreibung

Ein Tourist, der einen großen Stein auf eine geliebte, vom Aussterben bedrohte Robbe auf Hawaii geworfen haben soll, erlebte Momente später eine unerwartete Reaktion: Ein aufgebrachter Einheimischer stürmte herbei und griff ihn vor den Augen schockierter Strandbesucher an.

Der verstörende Vorfall ereignete sich am Strand nahe der Front Street in Lahaina auf Maui. Augenzeugen zufolge näherte sich ein 37-jähriger Besucher aus Seattle wiederholt einer vom Aussterben bedrohten Hawaiianischen Mönchsrobbe, die bei Einheimischen als „Lani“ bekannt ist, bevor er einen großen Stein gezielt auf das Tier schleuderte.

Der Vorfall löste auf ganz Hawaii Empörung aus. Lani ist für viele Bewohner eine vertraute und zutiefst geschätzte Erscheinung, seit sie nach den verheerenden Waldbränden von 2023 nach Lahaina zurückkehrte. Die Brände im August 2023 zerstörten große Teile der historischen Stadt auf Maui und forderten über 100 Todesopfer.

Tourist zielte mit Stein auf den Kopf der Robbe

Augenzeugen zufolge ruhte Lani am 5. Mai am Ufer, als sich ein Tourist dem Tier mehrfach gefährlich näherte.

Die Maui-Bewohnerin Kaylee Schnitzer, die den Vorfall filmte, sagte gegenüber Hawaii News Now: „Er hob einen Stein auf, so groß wie eine Kokosnuss, und warf ihn direkt auf den Kopf der Mönchsrobbe.“

Während der Aufnahme hört man Schnitzer den Mann anschreien: „Was machst du da? Warum wirfst du einen Stein auf sie?“

„Wir sagten ihm, dass wir die Polizei gerufen haben, und er meinte: ‚Ist mir egal. Gebt mir eine Geldstrafe, ich bin reich.‘ Das hat er gesagt, und dann ging er einfach weiter“, erzählte sie dem Sender KHON2 auf Maui.

Vom Aussterben bedrohte Art

Nachdem das Video in den sozialen Medien geteilt wurde, verbreitete es sich rasant. Die Zuschauer reagierten mit Wut über das rücksichtslose Verhalten des Touristen.

Hawaiianische Mönchsrobben gelten als eine der am stärksten gefährdeten Meeressäugetierarten der Welt. Sie stehen sowohl unter dem US-amerikanischen Artenschutzgesetz (Endangered Species Act) als auch unter dem Gesetz zum Schutz von Meeressäugern (Marine Mammal Protection Act, MMPA) – vergleichbar mit dem strengsten Schutzstatus unter europäischem Naturschutzrecht.

Laut der US-Fischereibehörde NOAA beträgt die aktuelle Population nur noch etwa ein Drittel des Bestands von vor rund 60 Jahren.

Angesichts der wenigen verbliebenen Robben – und der Tatsache, dass Lani auf Maui bereits von vielen geliebt wird – dauerte es nicht lange, bis sich die Wut am Strand ausbreitete, als die Menschen erkannten, dass jemand das Tier angegriffen hatte.

„Karma“ wird serviert

Nachdem die Strandbesucher begriffen hatten, was passiert war, stellte mindestens ein Einheimischer den Touristen körperlich zur Rede.

In einem weiteren online geteilten Video ist zu sehen, wie sich ein oberkörperfreier Mann dem Besucher aus Seattle von hinten nähert, ihn zu Boden wirft und ihm in schneller Folge mehrere Faustschläge verpasst.

Das Video mit dem Titel „Maui liefert Karma wie kein anderer Ort“ ging sofort viral. Tausende Zuschauer lobten den unbekannten Einheimischen dafür, die Robbe verteidigt zu haben.

„Als jemand, der Hawaii liebt und respektiert, befürworte ich zu 100 Prozent, wie diese Lektion erteilt wurde“, schrieb ein Nutzer in den Kommentaren.

„Er hätte noch mehr verdient! Gott segne diesen jungen Mann für seinen Einsatz!!!“, fügte ein anderer hinzu. Ein weiterer Kommentar lautete: „Dieser Mann ist ein Held.“

Die Identität des „Helden“ wurde nicht öffentlich bekannt gegeben, doch seine Tat zog bald Aufmerksamkeit weit über die sozialen Medien hinaus auf sich.

Senator ehrt den Mann hinter dem Faustschlag

Die virale Prügelszene erregte auch die Aufmerksamkeit des hawaiianischen Senators Brenton Awa, der später enthüllte, dass der anonyme Einheimische sogar eine besondere Anerkennung von Abgeordneten erhalten hatte.

„Einige von uns haben Umweltaktivisten gesehen, ich nenne sie mal so, die die Sache selbst in die Hand genommen haben, um zu zeigen, was passieren kann, wenn man sich an unserem Land oder unseren Tieren vergreift“, sagte Awa bei einer Sitzung des Senats.

„Unser Anwalt hier möchte klarstellen, dass wir Gewalt nicht gutheißen, aber wir haben ein Anerkennungsschreiben für den ‚Herrn Botschafter des Aloha‘ verfasst.“ Der hawaiianische Begriff „Aloha“ steht nicht nur für eine Begrüßung, sondern für Liebe, Mitgefühl und Respekt gegenüber Mensch und Natur.

„Lani, wir stehen hinter dir“

Auch Mauis Bürgermeister Richard Bissen meldete sich zu Wort.

„Lani ist für uns nicht nur eine Robbe“, sagte Bissen über das Tier, das seit seiner Rückkehr nach Lahaina nach den Waldbränden von 2023 ein geschätztes Symbol der Erholung geworden ist. „Sie ist Teil unserer Meeres-‚Ohana‘ (hawaiianisch für Familie) in Lahaina. Viele unserer Bewohner kennen sie, passen auf sie auf und sorgen sich zutiefst um ihr Wohlergehen.“

„Ich sage es deutlich: Das ist nicht die Art von Besucher, die wir auf Maui willkommen heißen. Wir heißen respektvolle Besucher willkommen, die verstehen, dass unsere kulturelle Umwelt und Tierwelt mit Sorgfalt und Aloha behandelt werden müssen. Ein solches Verhalten wird nicht toleriert“, erklärte Bissen und versprach, den Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

„Lani, wir stehen hinter dir.“

Der Verdächtige

Laut dem Department of Land and Natural Resources (DLNR), der hawaiianischen Behörde für Land und Naturressourcen, wurde der Tourist – identifiziert als der ukrainische Geschäftsmann Igor Lytwyntschuk – nach dem Angriff auf die Robbe von den Behörden befragt, jedoch nach Anforderung eines Rechtsbeistands wieder freigelassen.

„Zum jetzigen Zeitpunkt wurde der mutmaßliche Verdächtige nicht strafrechtlich angeklagt“, doch das DLNR berichtet, dass der Vorfall „in Übereinstimmung mit dem bundesweiten MMPA“ einer „weiteren Prüfung und möglichen Maßnahmen“ unterzogen wird.

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