Die letzten Momente einer jungen Rucksacktouristin wurden in erschreckenden Bildern festgehalten, nachdem sie in einen Vulkan gefallen war. Nun häufen sich die Fragen – denn Berichten zufolge wurde sie von ihrem Reiseführer einfach zurückgelassen.
Juliana Marins, eine 26-jährige Brasilianerin, hatte das Abenteuer im Blut. Seit Februar reiste sie durch Südostasien, dokumentierte jeden Schritt und hielt ihre Familie zu Hause auf dem Laufenden, vor allem ihre Mutter Estela und ihren Vater Manoel.
„Never try never fly“, schrieb sie am 10. Juni in einem Instagram-Post, bevor sie ihr Profil auf privat stellte.
Zu Hause war die Stimmung derweil eine ganz andere.
„Flieg, Juju“
„Flieg, Juju, flieg, flieg“ – so beginnt der Facebook-Nachruf, den ihr Vater Manoel für seine „Juju“ schrieb, nachdem das Abenteuer ihres Lebens am 21. Juni in einer Tragödie endete.
„Juliana lebte das Heute, das Jetzt, den Moment. Und sie lebte sehr gut“, schreibt er. Sie habe „den Willen gehabt zu leben, zu sein, zu erleben – und nicht nur zu existieren.“
„Meine Schöne, mein Schatz, meine Tochter, meine Liebe. Du warst immer etwas ganz Besonderes – albern, rastlos, mit einem wunderschönen Lächeln und einem riesigen Willen, das Leben in vollen Zügen zu leben.“
„Mein Mädchen hat in ihren nur 26 Jahren mehr erlebt als viele, die doppelt oder dreimal so alt sind. Ju, ich werde immer an dein Lächeln denken, deine witzigen Sprüche, deine Herzlichkeit. Und wie ich dir immer gesagt habe: Ich bin noch immer für dich da.“
In den Vulkan gestürzt
Am 21. Juni wanderte Juliana mit einer Reisegruppe auf den Rinjani – einen der eindrucksvollsten, aber auch gefährlichsten Vulkane Indonesiens auf der Insel Lombok. Dabei rutschte sie aus und stürzte in die Tiefe.
Der Reiseführer Ali Musthofa behauptete laut The Sun, Juliana habe eine kurze „Pause“ eingelegt und sei nur „drei Minuten“ hinter der Gruppe geblieben. Als er zurückging, um nach ihr zu sehen, war sie in den aktiven Vulkan gefallen.
„Ich sah das Licht einer Taschenlampe in einer etwa 150 Meter tiefen Schlucht und hörte Julianas Stimme um Hilfe rufen“, so Musthofa.
Zunächst stürzte sie rund 150 Meter ab – und glitt danach noch weiter die felsigen Hänge hinunter.
Hilferufe ohne Antwort
Verletzt, allein und an einen Felsvorsprung geklammert, wartete Juliana Marins auf Hilfe – deren Schreie hallten von den Kraterwänden wider. Vier lange Tage lang kämpften Rettungsteams gegen unwegsames Gelände und schlechtes Wetter, um sie zu erreichen.
Am 24. Juni kam die erschütternde Meldung: Drohnen hatten ihren leblosen Körper auf einem Felsvorsprung in rund 490 Metern Tiefe geortet.
Die letzte Nachricht
Während sie verletzt und ohne Möglichkeit zur Flucht in der Tiefe festsaß, schrieb Juliana ihrer Mutter eine letzte Nachricht. Diese teilte sie mit dem brasilianischen Nachrichtenmagazin Fantástico.
„Mama, ich liebe dich so sehr. Mein Herz brach, als wir uns verabschiedeten. Das Einzige, was mir wirklich Sorgen macht, ist, euch – dich, Papa oder meine Schwester – zu enttäuschen. Ansonsten habe ich vor nicht viel Angst – und schon gar nicht vor Entbehrungen.“
Und weiter: „Ich wurde von einer Frau großgezogen, die jedes Problem lösen kann und keine Angst hat, Risiken einzugehen und ihren Träumen nachzujagen. Ich bin auch so. Ich habe andere Wünsche und Träume. Ich liebe euch alle sehr! Und ich werde immer dankbar sein für all die Unterstützung, Fürsorge und Zuneigung – denn das ist es, was mich furchtlos macht.“
Obduktion und offene Fragen
Die Obduktion ergab schwere innere Blutungen und mehrere Knochenbrüche. Die Verletzungen waren so gravierend, dass der Tod wahrscheinlich innerhalb von rund 20 Minuten eintrat. Allerdings bleibt unklar, wann genau sie starb: Drohnenaufnahmen und Hilferufe deuteten darauf hin, dass Juliana den ersten Aufprall zunächst überlebte, bevor sich ihr Zustand verschlechterte.
Die Umstände der Rettungsaktion lösten scharfe Kritik ihrer Familie aus.
„Juliana war in dieser Gruppe, aber sie wurde sehr müde und bat darum, kurz anzuhalten. Sie gingen einfach weiter, und der Reiseführer blieb nicht bei ihr“, sagte ihre Schwester Mariana.
Ein gefährlicher Berg mit langer Opferliste
Der Rinjani, der zuletzt 2016 ausbrach, zieht jedes Jahr Tausende Wanderer an – und fordert regelmäßig seinen Tribut. Zwischen 2017 und 2024 starben laut Asia News Network neun Wanderer, unter anderem durch Erschöpfung und Unfälle. Nur einen Monat vor Julianas Sturz kam ein 57-jähriger malaysischer Wanderer bei einem Absturz ums Leben. Im Oktober zuvor traf es einen 16-Jährigen aus Jakarta.
Glaubst du, man hätte mehr tun können, um Juliana Marins zu helfen? Teile deine Gedanken in den Kommentaren auf Facebook!
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