Zehntausende bei Großdemonstrationen in London: Proteste gegen Migration und für Palästina

Gestern zogen Zehntausende Menschen durch die Londoner Innenstadt. Im Zentrum stand ein Marsch gegen Einwanderung unter dem Motto „Unite the Kingdom“, organisiert vom Aktivisten Tommy Robinson.

Zeitgleich fand eine propalästinensische Gegendemonstration statt. Die Londoner Polizei sprach vom größten Einsatz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung seit Jahren.

„Unite the Kingdom“-Kundgebung in London

Die antimigratorische Demonstration wurde von Tommy Robinson organisiert,der als Mitgründer der islamfeindlichen English Defence League (EDL) bekannt wurde.

Laut Schätzungen der Metropolitan Police nahmen mehr als 60.000 Menschen an dem Marsch teil, der vom Stadtteil Holborn im Zentrum Londons zum Parliament Square führte.

Teilnehmer trugen Union Jacks und St.-Georgskreuze, skandierten Parolen gegen Einwanderung und forderten den Rücktritt von Premierminister Keir Starmer. Einige trugen rote Kappen mit der Aufschrift „MEGA“ (Make England Great Again). Robinson sprach vor der Menge von einer „kulturellen Revolution“ und rief seine Anhänger auf, sich politisch zu engagieren.

Bereits im September 2025 hatte ein ähnlicher Marsch in London über 100.000 Menschen angezogen. Damals kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Die propalästinensische Gegendemonstration

Parallel fand eine Demonstration zum Nakba-Tag statt, der an die Vertreibung von rund 760.000 Palästinensern bei der Staatsgründung Israels 1948 erinnert. Nach Polizeiangaben nahmen daran rund 20.000 Menschen teil. Die Organisatoren selbst sprachen von 250.000 Teilnehmern.

Viele trugen Keffijehs und palästinensische Flaggen. Die Kundgebung verband die Solidarität mit Palästina mit einem antirassistischen Protest gegen die rechte Demonstration. Organisiert wurde sie unter anderem von der Gruppe „Stand Up to Racism“.

Beispielloser Polizeieinsatz

Die Londoner Metropolitan Police setzte 4.000 Beamte ein, unterstützt von Drohnen, Hubschraubern, Reiterstaffeln und Spürhunden. Erstmals bei einer Demonstration in London kamen auch Kameras mit Echtzeit-Gesichtserkennung zum Einsatz. Die Routen der beiden Demonstrationen wurden so festgelegt, dass die Gruppen voneinander getrennt blieben.

Trotz der Spannungen verliefen die Kundgebungen nach Polizeiangaben weitgehend friedlich. Insgesamt wurden 31 Personen festgenommen. Eine zusätzliche Herausforderung stellte das FA-Cup-Finale zwischen Manchester City und Chelsea im Wembley-Stadion dar, zu dem über 83.000 Zuschauer kamen.

Reaktionen der Regierung

Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Organisatoren des „Unite the Kingdom“-Marsches als „Schläger und verurteilte Rassisten, die Hass und Spaltung verbreiten“. Die Regierung ließ im Vorfeld elf ausländische rechte Aktivisten an der Einreise nach Großbritannien hindern. Darunter befanden sich die amerikanisch-kolumbianische Aktivistin Valentina Gomez, der polnische EU-Abgeordnete Dominik Tarczynski und der belgische Vlaams-Belang-Politiker Filip Dewinter.

Auch dem AfD-Bundestagsabgeordneten Petr Bystron, der bereits 2025 auf einer Robinson-Demo gesprochen hatte, wurde die Einreise verweigert.

Justizminister David Lammy erklärte, das Recht auf friedlichen Protest werde geschützt, warnte aber zugleich, bei Gewalt werde die Regierung schnell handeln.

Politischer Hintergrund

Die Demonstrationen fanden in einem aufgeheizten politischen Klima statt. Großbritannien hatte Anfang Mai seine Terrorwarnstufe auf „schwerwiegend“ angehoben, nachdem es zu einer Messerattacke auf zwei jüdische Männer im Londoner Stadtteil Golders Green und zu einer Serie antisemitischer Brandanschläge gekommen war.

Zudem fand der Marsch eine Woche nach einem starken Abschneiden der migrationsfeindlichen Partei Reform UK bei Kommunalwahlen statt. Die Partei von Nigel Farage führt derzeit die Umfragen für die nächste Parlamentswahl 2029 an. Der „Unite the Kingdom“-Marsch ist allerdings nicht offiziell mit Reform UK verbunden.

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