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Berlin: Unheilbar krankes Kind darf nicht auf Wunschschule – ist nach Losverfahren raus

Die meisten von uns erinnern sich wohl noch an dieses besondere Ereignis: Den ersten Schultag.

Laut den Eltern war man schon Wochen zuvor ohne Ende aufgeregt und konnte in der Nacht, bevor der Ernst des Lebens losgeht, bestimmt kein Auge zumachen.

Für viele von uns hieß das auch, mit seinen Freunden aus dem Kindergarten oder aus der Nachbarschaft auf die gleiche Schule kommen, um etwas anderes machten man sich eigentlich keine Gedanken.

Anders sieht es dagegen bei Kilian aus. Der 6-jährige Junge aus Berlin leidet an einer unheilbaren Krankheit und sollte nach dem Willen seiner Mutter und Ärzte auf eine dafür angemessene Schule. Doch das Schulamt hatte andere Pläne.

Kranke Menschen und insbesondere Kinder brauchen spezielle Fürsorge und Pflege, damit sie in der Gesellschaft genauso leben können wie jeder andere auch.

Genau das sollte auch dem 6-jährigen Kilian zukommen, weswegen seine Mutter Peggy in Berlin nach einer passenden Schule für ihn suchte, wie die Bild berichtete.

Kilian leidet nämlich an Mukoviszidose. Einer Stoffwechselerkrankung, bei der eine Störung des Salz- und Wasserhaushaltes vorliegt und durch diese sich im Körper ein zähflüssiges Sekret bildet. Dieses Sekret wiederum kann lebenswichtige Organe wie Lunge, Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm schädigen.

Betroffene leiden dadurch an Husten, Atemnot und Bauchschmerzen. Neben regelmäßiger Medikamenteneinnahme muss auch inhaliert und abgehustet werden.

Für die Mutter von Kilian, Peggy, ist dadurch klar:

„Ein stabiles Umfeld ist allein schon wegen der täglichen Therapien unheimlich wichtig für Kilian.“

Suche war nicht einfach

Sie suchte intensiv nach der passenden Schule für Kilian und kam dabei auf die Anna-Seghers-Schule, eine Gemeinschaftsschule, wo es bis zum Abitur altershomogene Lerngruppen und Kinder mit Integrationsstatus gibt.

Peggy meldete ihren Sohn an, doch das zuständige Schulamt lehnte diesen Antrag ab. Der schwerkranke Kilian solle auf eine Schule in der Köllnischen Vorstadt stattdessen gehen.

Für seine Mutter eine unhaltbare Entscheidung:

„Das ist eine Brennpunktschule mit jahrgangsübergreifendem Lernen. Das schafft mein Sohn einfach nicht.“

Sie legte Einspruch ein und ließ ein Gutachten anfertigen. In dem wurde Kilian vom Schularzt und des Mukoviszidosezentrums der Charité folgendes bescheinigt:

„Aus psychologischer Sicht sollte die Beschulung von Kilian in einem festen Klassenverband erfolgen.“

Auch in der Schule seien gesundheitliche Aspekte wie der Umgang mit den Symptomen wichtig.

Schulamt lässt nicht mit sich reden

Für das Schulamt reichte diese Argumentation aber nicht, es wies den Antrag als unbegründet zurück. Wie alle Schüler sei auch Kilian im Losverfahren gewesen, aber keinen Platz erhalten.

Seine Mutter Peggy zeigte sich bestürzt:

„Seine Krankheit hat offenbar gar keine Rolle gespielt.“

Weil sie ihren Sohn partout nicht an die vom Schulamt vorgesehene Schule schicken wollte, hat sie Kilian jetzt an einer Privatschule angemeldet:

„Das ist für mich zwar finanziell nicht einfach, aber ich möchte ja, dass Kilian sich frei entwickeln kann.“

Eigentlich ist es unbegreiflich, wie das Schulamt von den Begründungen absehen kann und den Jungen nicht an die Schule lassen möchte, die ihm wohl am besten auf seinem weiteren Weg helfen würde.

Hoffentlich kann sich Kilian an seiner neuen Schule trotzdem gut entwickeln und hat seine Krankheit so weit es geht unter Kontrolle.

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