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Hessen: Firma verkaufte Gold, das es wohl gar nicht gab – mehr als 10.000 Kunden von Schneeballsystem betroffen

Die einen kaufen Wohnungen oder Autos als Geldanlage fürs Alter, andere möchten dagegen in Ressourcen wie Edelmetall investieren.

Bei etwa Gold kann man sich relativ sicher sein, dass der Wert nicht fallen wird und man es auch in mehreren Jahren mit etwas Gewinn verkaufen kann.

Daher wurden viele Menschen auf ein Angebot einer Firma aus Hessen aufmerksam, das eine hohe Rendite versprach.

Nach weitreichenden Ermittlungen wurde jetzt aber deutlich, dass diese Kunden aber wohl einem Schneeballsystem zum Opfer gefallen sind.

In den vergangenen zehn Jahren verkaufte die Firma PIM Gold aus dem hessischen Heusenstamm 3,38 Tonnen Gold mit einem aktuellen Marktwert von 150 Millionen Euro.

Allerdings scheinen diese Kunden betrogen worden zu sein, wie der Spiegel berichtete.

Demnach hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt den Verdacht, dass ein Großteil des Goldes gar nicht existiert und die Verantwortlichen bei PIM ein Schneeballsystem ins Rollen gebracht haben.

Mirco Lehr, Syndikusanwalt bei Qthority, einer Plattform für Rechtsfragen, sagte zu dem Fall:

„Wir rechnen mit mehr als 10.000 Betroffenen.“

Zuvor sei man von etwa tausend Geschädigten ausgegangen.

Verdächtige in Gewahrsam

Anfang September wurden die Geschäftsräume der Firma von der Staatsanwaltschaft durchsucht und der 48-jährige Geschäftsführer Mesut P. verhaftet worden. Daneben wurden noch vier weitere Beschuldigte vernommen mit dem Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs.

Gegenüber dem Spiegel sagte Rechtsanwalt Andrea Tilp, der die Geschädigten vertritt:

„Massenhafte Schadenersatzansprüche wegen Betrug führen nach meiner festen Überzeugung zu einem Insolvenzgrund, mit einer baldigen Antragstellung ist realistischer Weise zu rechnen.“

Der Anwalt des Hauptverdächtigen Mesut P. wollte sich zu einer möglichen Insolvenz nicht äußern.

Das Geschäftsmodell bestand darin, dass PIM Gold Anlegen eine Rendite von drei Prozent und mehr versprochen hatte, sollte das erworbene Gold eingelagert bleiben, weswegen die meisten Kunden genau das taten.

Über Handelsgeschäfte sollte die Verzinsung abgerechnet werden.

Gold verspricht keine hohen Gewinne

Noch sei nicht klar, wie das Unternehmen das nötige Geld verdienen wollte, da der Goldhandel in der Regel nur sehr geringe Gewinnmargen abwirft.

Außerdem muss die Frage geklärt werden, ob die Kunden wussten, dass ihnen Gold um bis zu 35 Prozent über dem Marktwert verkauft wurde.

Aus rechtlicher Sicht ist auch nicht klar, ob die PIM-Gold-Kunden rechtliche Eigentümer des Goldes geworden sind, denn einzelne Goldbarren können keinem Besitzer zugeordnet werden – sie waren ihnen nämlich nicht übergeben worden.

Finanzexperte Stefan Loipfinger, der PIM-Gold schon seit etwas mehr als einem Jahr skeptisch verfolgt, weiß:

„Ein Insolvenzverwalter wird großes Interesse daran haben, Rückforderungen an die Kunden zu stellen.“

Mit diesem Ende haben die Kunden und Investoren wohl nicht gerechnet, jetzt sieht es danach aus, als würden sich nun Gerichte und Anwälte um diesen Fall kümmern.

Auf jeden Fall ist es ein herber Schlag für alle Sparer, die sich daraus eine gewisse Rendite erhofft hatten.

Teile diesen Artikel, wenn du auch hoffst, dass die Anleger nicht mit allzu großen Verlusten aus der Sache kommen.