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Ämter verschicken Drohbriefe an Eltern: Bei Verstößen gegen die Quarantäne werden Kinder weggenommen

Seit Anfang November herrscht in Deutschland ein erneuter Lockdown. Zwar in der „light“-Version, doch es wird deutlich, dass überall die Nerven blank liegen.

Die Politik möchte rasche Verbesserungen sehen, viele Branchen möchten und müssen unbedingt wieder arbeiten gehen und die Gesundheitsämter scheinen auch mehr und mehr überfordert zu sein.

Anders lässt sich wohl nicht erklären, warum derzeit Briefe von Behörden im Umlauf sind, die Eltern geradezu bedrohen, die mit ihren Kindern in Quarantäne sein müssen, wie RTL berichtete.

„Häusliche Absonderung Ihres Kindes“

Der Privatsender bezieht sich dabei auf Berichte der Augsburger Allgemeine, die ein Schreiben eines Amtes aus Baden-Württemberg wie folgt zitiert:

„Sehr geehrte Eheleute. Ihren Kindern gegenüber wird eine Isolation in sogenannter häuslicher Absonderung in der Wohnung angeordnet“ und in einem weiteren Schreiben aus Niedersachsen heißt es:

„Sehr geehrte Eltern, hiermit bestätige ich Ihnen die häusliche Absonderung Ihres Kindes.“

Man droht den Eltern also, ihnen die Kinder wegzunehmen und in einer geschlossenen Einrichtung unterzubringen, was natürlich für Entsetzen bei den betroffenen Familien gesorgt hat.

Dem Kind sei es zudem ohne ausdrückliche Zustimmung des Gesundheitsamtes nicht erlaubt, das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Zweimal täglich sollen Eltern während der gesamten Quarantäne Fieber messen und sollte sich die Familie nicht an die Regeln halten, könnten die Kinder „zwangsweise in einer geeigneten geschlossenen Einrichtung abgesondert werden“, zitiert die Zeitung die Behörden weiter.

Die finale Entscheidung trifft in solchen Fällen das Familiengericht.

Nicht nur der Ton der Briefe wirkt verstörend, auch die Vorstellung für Familien, ihre Kinder weggeben zu müssen, sorgt für Stress und Angst.

Kinderschutzbund schaltete sich ein

Deswegen möchte der Kinderschutzbund diese offensichtlichen Drohbriefe nicht unkommentiert lassen und alarmiert sogar Gesundheitsminister Jens Spahn.

Er solle dafür sorgen, „dass in allen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dem Kindeswohl und den Kinderrechten Vorrang eingeräumt wird.“

Eine Zusage von Spahn gab es bereits, dass er beim Treffen mit seinen Länderkollegen darüber sprechen werde. Die Briefe sollten einen angemessenen Ton und eine angebrachte Forderung beinhalten.

Bereits im Sommer sah sich die Stadt Karlsruhe Kritik für ihre Schreiben ausgesetzt.

In einer Stellungnahme vom 6. August 2020 heißt es:

„An eine Trennung des Kindes von den Eltern ist hier überhaupt nicht gedacht.

Wenn es notwendig werden sollte, ein Kind zum Schutz anderer zwangsweise zu isolieren, würde es zusammen mit einem oder beiden Elternteilen untergebracht werden. Diese Maßnahme wäre die ultima ratio, wenn die Eltern durch ihr Verhalten nicht dafür Sorge tragen, dass Außenstehende durch das Kind nicht angesteckt werden können.“

Demnach sollen Isolationsmaßnahmen bei Kindern abhängig von Alter, Entwicklungsstand und auch den Bedürfnissen des einzelnen Kindes umgesetzt werden, auch wenn die neusten Schreiben einen anderen Eindruck hinterlassen.

Die Corona-Pandemie ist für alle eine Zerreißprobe und daher können auch mal Entscheidungen getroffen werden, die zunächst nicht die besten sind.

Allerdings macht es wenig Sinn, für noch mehr Panik und Stress zu sorgen, insbesondere dann nicht, wenn Familien und ihre Kinder betroffen sind.

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