30 Jahre Hubschrauberabsturz bei der YOU in Dortmund: Was an diesem 6. Juni 1996 wirklich geschah

Es sollte ein Höhepunkt der allerersten Jugendmesse YOU werden – ein Rundflug über Dortmund, verlost an Messebesucher, mit Blick auf die Westfalenhallen von oben. Stattdessen wurde der 6. Juni 1996 zum schwärzesten Tag in der Geschichte der Bundeswehr-Flugbereitschaft. 13 Menschen starben, nur einer überlebte.

Heute, 30 Jahre später, lohnt sich ein Rückblick; auch, weil das Unglück über die Jahre fast in Vergessenheit geraten ist.

Ein Rundflug als Werbeaktion

Die YOU feierte 1996 ihre Premiere und sollte schnell zur größten Jugendmesse Europas werden. Mittendrin auf dem Gelände rund um die Westfalenhallen gab es einen Stand der Bundeswehr.

Als Publikumsmagnet bot die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums kostenlose Rundflüge mit einer Bell UH-1D an – jenem legendären „Huey“, den die meisten aus Vietnam-Filmen kennen. Ein Teil der Plätze wurde unter den Messebesuchern verlost.

Am Eröffnungstag, einem Fronleichnamsdonnerstag, hob die Maschine gegen 12 Uhr zu einer dieser Runden ab. An Bord saßen 14 Menschen: zwei Piloten, ein Bordtechniker, fünf Journalisten und sechs Messebesucher.

Pikantes Detail am Rande: Eigentlich sollte auch die damalige Bundesfamilienministerin Claudia Nolte mitfliegen; sie kam jedoch zu spät zum Termin und verpasste den Flug. Eine Verspätung, die ihr vermutlich das Leben rettete.

Von den Dortmunder Westfalenhallen aus startete der tödliche Hubschrauberflug – Foto: Tbachner, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Wie es zur Katastrophe kam

Was dann passierte, rekonstruierten Ermittler später vor allem aus der Schilderung des einzigen Überlebenden. Der Pilot wollte seinen Passagieren offenbar etwas bieten und flog mehrere waghalsige Manöver.

Er zog die Maschine zunächst steil nach oben und ließ sie dann wieder nach unten abkippen. Bei diesem Abfangmanöver verlor er die Kontrolle.

Zuerst berührten die Kufen die Baumwipfel, dann erwischten die Rotorblätter das Geäst. Der Hubschrauber stürzte im Stadtteil Kirchhörde nahe der A45 in das Waldgebiet Großholthausener Mark.

Tragischerweise explodierte das Wrack erst, nachdem Ersthelfer den einzigen Überlebenden geborgen hatten – den Tourmanager des Schweizer Sängers DJ Bobo. Die genaue Abfolge und den Ablauf des Unglücks fasst auch der Wikipedia-Eintrag zum Flugunfall übersichtlich zusammen.

Die Opfer

Die 13 Todesopfer waren zwischen 17 und 48 Jahren alt und kamen aus Dortmund, Unna, Waltrop, Essen, Recklinghausen und Duisburg. Eines der Opfer besaß die Schweizer Staatsbürgerschaft, die beiden Piloten waren in Köln stationiert.

Die Messe selbst wurde nach Absprache zwischen Veranstaltern und Ausstellern fortgesetzt; ein geplantes Konzert sagte man allerdings ab, und 24 Stunden nach dem Absturz hielt man auf dem Gelände eine Schweigeminute ab.

Sat.1, einer der größten Aussteller, stellte seine Messeaktivitäten komplett ein. Wenige Tage später, am 12. Juni, fand in Dortmund eine ökumenische Trauerfeier statt, an der unter anderem der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe teilnahm.

Die wichtigsten Erkenntnisse: Pilotenfehler statt Technikdefekt

Es war kein technisches Versagen, sondern menschliches. Das Verteidigungsministerium schloss eine Schuld des Piloten zunächst aus, doch der spätere Untersuchungsbericht bestätigte genau das, was der Überlebende von Anfang an beschrieben hatte.

Die riskanten Flugmanöver führten direkt zum Kontrollverlust und damit zum Absturz.

Die wichtigsten Fakten zum Absturz in Dortmund zusammengefasst:

  • Ursache: Pilotenfehler durch waghalsige Flugmanöver, kein technischer Defekt.
  • Folgen: Es gilt bis heute als der schwerste Hubschrauberunfall in der Geschichte der Bundeswehr.
  • Konsequenzen: Die Bundeswehr übernahm die Bestattungskosten und zahlte pauschal 40.000 Mark pro Todesopfer.

Erinnerung, die fast verschwand

Ein Jahr nach dem Unglück, 1997, wurde an der Absturzstelle in der Bittermark eine Gedenkstele aufgestellt. Auf der einen Seite steht „Hier starben am 6. Juni 1996 auf tragische Weise durch einen Hubschrauberabsturz 13 junge Menschen“, auf der anderen die Namen der Opfer.

Ein Gedenkstein erinnert an die Opfer des Hubschrauberabsturzes von vor 30 Jahren – Foto: Feathil, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Stein geriet jahrelang in Vergessenheit und war zwischenzeitlich komplett zugewachsen. Erst seit einigen Jahren gibt es wieder regelmäßige Gedenkfeiern, oft am Totensonntag.

Wie Radio 91.2 über das Gedenken berichtete, mahnen Dortmunder Politiker bei diesen Anlässen, dass die Ereignisse auch nach Jahrzehnten nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

Was als harmlose Werbeaktion auf einer Jugendmesse begann, endete in einer der größten Tragödien der Stadt Dortmund. 13 Menschenleben, ausgelöscht durch wenige Sekunden Leichtsinn am Steuer.

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