Augenlaser-OP als „größter Betrug“: Warum ein ehemaliger FDA-Abteilungsleiter vor Lasik warnt

Lasik-Augenoperationen, vermarktet als einfacher Eingriff mit einer Komplikationsrate von unter einem Prozent, werden inzwischen mit einer alarmierenden Zahl von Suiziden in Verbindung gebracht.

Die Lasik-Augenoperation, also die Laserkorrektur der Sehkraft, wird als unkompliziert und mit einer Komplikationsrate von einem Prozent beworben. Der Augenarzt Edward Boshnick aus Miami nennt sie jedoch „den größten Betrug, der der amerikanischen Öffentlichkeit je untergejubelt wurde.“

Nachdem ein 26-jähriger Polizist sein Leben beendete und dabei Komplikationen nach dem Eingriff als Grund nannte, sind weitere mit der Prozedur in Verbindung stehende Fälle bekannt geworden. Officer Ryan Kingerski vom Penn Hills Police Department hatte unter unerträglichen Schmerzen, Doppeltsehen und anhaltenden Kopfschmerzen gelitten.

„Ich kann nicht mehr. Lasik hat mir alles genommen“, schrieb er in seinem Abschiedsbrief.

Ehemaliger FDA-Abteilungsleiter forderte Widerruf der Zulassung

Morris Waxler, der ehemalige Leiter der Abteilung der US-Arzneimittelbehörde FDA, die für die Prüfung der Daten und die Zulassung von Lasik-Operationen zuständig war, stellte einen Antrag auf Widerruf der Zulassung des Verfahrens. Die FDA ist die wichtigste US-Behörde für die Zulassung medizinischer Verfahren und Medikamente, vergleichbar mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Deutschland.

Die Entscheidung fiel, nachdem seine eigene Analyse eine ernüchternde Realität offenbart hatte: Die tatsächliche Komplikationsrate lag zwischen 10 und 30 Prozent – und nicht bei unter einem Prozent, wie den Patienten vermittelt wird.

„Es spielte keine Rolle, welche Fragen und Bedenken ich hatte, denn die Chirurgen waren sehr mächtig und sind es immer noch“, sagte Waxler der New York Post.

Verheerende Komplikationen in zahlreichen Abschiedsbriefen dokumentiert

2018 nahm sich die Detroiter TV-Meteorologin Jessica Starr im Alter von 35 Jahren das Leben, nachdem sie unter Komplikationen nach einer Lasik-Operation gelitten hatte.

Laut ihrer Familie kämpfte Starr nach dem Eingriff mit starken Schmerzen und sich verschlechternder Sehkraft. Vor ihrem Tod dokumentierte sie ihre emotionalen und körperlichen Qualen in Video-Tagebucheinträgen und suchte Berichten zufolge sowohl bei Augenspezialisten als auch bei Therapeuten Hilfe.

„Vor dem Eingriff war Jessica völlig normal, kerngesund“, sagte ihr Ehemann Dan Rose der New York Post. „Es gab keine Depression, kein zugrunde liegendes Problem.“

Ein weiterer Fall betraf den kanadischen Familienvater Paul Fitzpatrick, der in seinem Abschiedsbrief jahrzehntelange Schmerzen nach der Lasik-Operation beschuldigte, bevor er sich 2018 das Leben nahm.

Fitzpatrick beschrieb jahrelanges Brennen in den Augen, Kopfschmerzen und ständige Schmerzen, die ihn kaum noch funktionsfähig machten.

„Schmerzen, Schmerzen und noch mehr Schmerzen“, schrieb er in dem Brief.

Paula Cofer, die eine Online-Selbsthilfegruppe für Menschen mit Lasik-Komplikationen betreibt, sagte der New York Post, sie kenne persönlich mindestens 40 Menschen, die sich nach schweren Komplikationen infolge des Eingriffs das Leben genommen hätten.

„Nicht jeder hat schwere Komplikationen, aber es leiden weitaus mehr Menschen, als man ahnt“, sagte sie.

Mehr als 10 Millionen Amerikaner haben sich seit der FDA-Zulassung des Verfahrens im Jahr 1999 einer Lasik-Operation unterzogen. Auch in Deutschland ist das Verfahren weit verbreitet – Schätzungen zufolge werden jährlich über 100.000 Eingriffe durchgeführt. Laut der FDA gehören zu den möglichen Risiken Sehverlust, Blendung, Lichthöfe (sogenannte Halos), Doppeltsehen und andere belastende Sehstörungen.


Wenn du oder jemand in deinem Umfeld sich in einer Krise befindet oder Suizidgedanken hat, gibt es Hilfe:

Deutschland: Telefonseelsorge – 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr) Österreich: Telefonseelsorge – 142 (kostenlos, rund um die Uhr) Schweiz: Die Dargebotene Hand – 143 (kostenlos, rund um die Uhr)

Du bist nicht allein. Sprich mit jemandem.

 

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